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Genua, bei der Arbeit mit den Roma


115_Genova

 

Alltagsleben in der Stadt des Leuchtturms: Gegenseitigkeit in den Beziehungen mit der Gemeinschaft der Roma und Sinti, ein Engagement für respektvolle Integration. Vier Freundinnen erzählen uns davon...

Über den Ursprung der “Laterne” weiß man nur wenig, denn so lange man denken kann, trägt der Leuchtturm von Genua diesen Namen. Bereits im Jahr 1129 erschien ein Dekret, in dem festgelegt wurde, dass die Bewohner des Umkreises sich verpflichten, die Stadt mit Waffengewalt zu schützen, während den Bürgern aufgetragen wurde, für den Leuchtturm zu sorgen. Genua besaß schon damals einen Hafen, der für den ganzen Mittelmeerraum große Bedeutung hatte. Während der Jahrhunderte landeten hier Menschen unterschiedlichster Herkunft, andere wiederum stachen von hier aus in See, auf der Suche nach Glück und einem besseren Leben.

In Genua erlebt man bis heute, wie sehr die Stadt sich dafür eignet, Beziehungen aufzubauen, zu erhalten und zu vertiefen.

Maria Grazia, Luisa, Gabriella und Maura (und noch viele andere) setzen sich dort seit Jahren für den Dialog unter Menschen verschiedener Kulturen ein.

Wir sind erstaunt, dass unser Einsatz, in den auch die Gemeinschaft Sant’Egidio eingebunden ist, unsere Erwartungen weit übersteigt. Alles begann durch ein Gespräch mit engagierten Freunden, die sich bereits seit Jahren für andere einsetzen und dabei diejenigen bevorzugen, die gerade mit den  größten Schwierigkeiten kämpfen müssen. Im letzten Jahr überlegten wir daher, was wir für die Roma unternehmen könnten. Wir versuchten es mit einer Schule, aber niemand kam dorthin. Deshalb entschieden wir uns, mit ihnen ein Fest zu feiern. Als wir bereits einen schönen Ort unter freiem Himmel gefunden hatten, bemerkten wir, dass den Anwohnern unser Plan nicht gefiel. Deshalb wollten wir es auf einem Feld durchführen, in deren Nähe die Nomaden leben.

Unsere Freundinnen stecken voller Vitalität, ein Markenzeichen des Projekts. Heute ist man in der ligurischen Stadt Zeuge einer Freundschaft zwischen den Völkern, die sich zum Wohl der ganzen Stadt entwickelt.

Alles lief schließlich fantastisch, das Feld war festlich geschmückt: bunte Luftballons, Bilder- und Fotoausstellung, musikalische Beiträge der Roma, ein großes Buffet von uns.
Zu den Anwesenden gehörten der Stadtratsvorsitzende Dr. Giannetti, der Referent für politische Erziehung, die Freiwilligen der Kommunität von Sant’ Egidio sowie der Schauspieler und Dramaturg Pino Petruzzelli, der gleichzeitig künstlerischer Direktor vom Theaterzentrum Hypothese ist“.

Auch während des Sommers setzten sich die gewinnbringenden Kontakte mit den verschiedenen Gemeinschaften fort. Im September konnte man in den Schulen ein Programm vorstellen, dass die Institutionen befürworteten. Hier versucht man, in einen Austausch zwischen italienischer Kultur und der der Roma zu treten. Es wurden Kochkurse durchgeführt, durch Erzählungen und die Kunst lernte man die anderen kennen. Diese Initiative wurde erfreulicherweise gemeinsam mit dem Schauspieler der Roma Sergio Citnic durchgeführt.

Für das abendliche Programm stellte uns die Stadt den Platz der Menschenrechte zur Verfügung, auf dem die Roma ihre Lebensgeschichten erzählen konnten. Im Ducale (einer der wichtigsten Paläste von Genua, weil es das Haus des Dogen war) fand eine Begegnung von Referenten, Experten und Freiwilligen verschiedener Einrichtungen unter Vorsitz des Roma Ismet Cizmic statt, der versicherte, dass er bisher noch nie die Möglichkeit hatte, vor einem so wichtigen Publikum zu sprechen. Bereits während dieser Begegnung entwarf man gemeinsam ein Arbeitsprogramm. Dabei plante man auch für den Monat Februar eine Feier im Palazzo Ducale (Herzogspalast). Es soll ein „Tag des Gedenkens“ werden, bei dem man an die Vernichtung der Nomaden erinnert, die in den Konzentrationslagern des Naziregimes umgekommen sind. Es gab außerdem eine Buchpräsentation, festliche Aktivitäten auf dem Sportfeld der Roma und vieles andere. Ganz eindeutig konnte man daran ablesen, dass diese Beziehungen ihre Fortsetzung finden werden …“

Am Samstag, 11. Juni 2011, kam es zu einer Sonderaudienz mit Benedikt XVI. und der Gemeinschaft der Roma und Sinti, die von der Gemeinschaft Sant’Egidio organisiert wurde.

Aus Genua fuhren die Teilnehmer mit zwei Bussen und mehreren Autos hin, was unsere vier Freundinnen sehr freute. Bei dieser intensiven Begegnung erinnerte der Papst an Äußerungen von Paul VI., der gesagt hat: „In der Kirche steht ihr nicht am Rand, sondern in gewisser Hinsicht steht ihr im Zentrum, befindet euch im Herzen. Ihr seid im Herzen der Kirche.“ Auch ich wiederhole heute voller Zuneigung: ihr gehört zur Kirche! Ihr seid ein geliebter Teil des pilgernden Gottesvolkes und ihr haltet etwas wach, „denn wir haben ja hier keine bleibende Stadt; doch nach der künftigen suchen wir“ (Hebr. 13,14).

Und noch eine letzte bedeutenden Passage: “Die Suche nach Unterkunft und würdevoller Arbeit und der Ausbildung eurer Kinder sind die Basis, auf der so eine Integration aufbaut, aus der ihr und die ganze Gesellschaft Vorteil ziehen können. Bietet auch ihr eure tatkräftige und aufrichtige Zusammenarbeit an, damit eure Familien auf würdige Weise mit der europäischen Zivilgesellschaft  zusammenarbeiten!“



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