NEUE GESELLSCHAFT

Ethnien und Kulturen

151 Trento rifugiati

 

 

 

 

 

 

«Was tut ihr Christen denn für diese Leute?», befragt Annamaria ihre Freunde, die sich in Trient in zahllosen Solidaritätsprojekten engagieren.

Annamaria meint damit die Flüchtlinge, die gerade aus Libyen angekommen sind; sie sind auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land. Das war im Mai 2011. Da gibt es bereits ein nationales Projekt “Notfall Nordafrika” zur Aufnahme von ca. 25.000 Flüchtlingen aus Zentralafrika, die vor dem Krieg in Libyen geflohen und an den Küsten Italiens gestrandet sind. In der Provinz Trient landen 200 von ihnen, meist junge muslimische Männer zwischen 20 und 30.

In Trient sind etliche Vereinigungen in die Flüchtlingsarbeit involviert, und mehr denn je muss man sich vernetzen, um vor Ort Synergie-Effekte unter den Institutionen zu schaffen. Das ist eine konkrete Antwort an Annamaria, aber vor allem für die jungen Afrikaner.

"Zunächst haben wir Begegnungen zur Sensibilisierung für die Staatsbürgerschaft organisiert, und einige von uns geben den jungen Leuten Italienischunterricht", erzählt Elena Pasolli von der Bewegung Umanità Nuova (Neue Gesellschaft);  sie gehört zu den Förderern der Initiative gemeinsam mit Vereinigungen und Institutionen der Stadt. "Mit anderen Freiwilligen sind wir dabei, konkret über die Zukunft dieser jungen Leute nachzudenken, da das nationale Projekt nur bis zum 31. Dezember 2012 geht. Alle miteinander haben wir eine Arbeitsgemeinschaft gegründet; sie steht im ständigen Kontakt mit den Diözesen, der Gemeinde, den Institutionen, gehen in den Lokalzeitungen an die Öffentlichkeit, vor allem über die Kirchenzeitung “Vita Trentina”; sie steht uns zur Verfügung, um denen eine Stimme zu geben, die keine Stimme haben".

Mittlerweile hat die Provinz Trient die Verlängerung des Projekts beschlossen und jedem Hilfe und Unterstützung für zwei Jahre ab der Ankunft in Trient zu garantieren. Doch zwischen Juli und August 2013 mussten alle ihre Unterkünfte verlassen.

„Die interessanteste Arbeit bestand darin, die Bürger zu sensibilisieren sowie Gelder zu sammeln, um  Arbeitsplätze zu suchen und die Integration dieser jungen Leute in unseren Gemeinden zu ermöglichen“.

Für die Flüchtlinge kamen Fahrräder, Nahrung, Gelegenheiten zum Fußballspiel an; Familien luden sie zum Essen ein. Spendenkonten  wurden eingerichtet, Flugblätter wurden verteilt, Verabredungen vor Ort getroffen.

Schließlich wurden von der Caritas Unterkünfte zur  Verfügung gestellt.  Wir wurden von ihr gebeten, dafür eine Garantie zu leisten und uns um die Jugendlichen bei ihrem weiteren Abenteuer zu kümmern: wir wurden in jeder Hinsicht verantwortlich für die Wohnungen, in denen sie sind.

Die Gruppe, die heute dort arbeitet ist sehr heterogen. Dazu gehören CARITAS, ATAS, Cinformi, Fondazione comunità solidale, Trentino solidale: alle sind von dem Wunsch beseelt, für das Gemeinwohl zu arbeiten und den Jugendlichen, denen sie begegnet sind, ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Wir sind unterwegs auf dem Weg der Anteilnahme, des Ideenaustauschs und der Wertschätzung jedes Menschen unterwegs”, berichtet Elena. “Die Beziehung, die unter uns gewachsen ist, hat eine  Freundin zu der Feststellung gebracht: ‘So lernen die jungen Leute die Anteilnahme und gegenseitige Hilfe’.  Eine Mitarbeiterin im Projekt stellte fest: Mit eurem Beispiel habt ihr die Nachbarn der Ankömmlinge angesteckt; sie haben sich ebenfalls drangemacht und ihnen Haus und Herz geöffnet.’  Diese Gegenseitigkeit hat die verschiedenen Institutionen beeindruckt, an die wir uns gewandt haben. Dabei erleben wir Wunderbares.

Von August bis 31. Dezember haben die jungen Leute in drei Wohnungen gelebt, von denen eine die Caritas und zwei ATAS zur Verfügung gestellt hatte. Die Caritas kam für die laufenden Kosten aller drei Wohnungen auf (Licht, Gas, Wasser…) und die Miete der beiden ATAS-Wohnungen. Die jungen Leute wurden bei Arbeitssuche und Integration unterstützt, wobei jeder einen monatlichen Betrag bekam. Außerdem erhielten sie dank des Vereins “Trentino Solidale” (Solidarisches Trient) Nahrungsmittel, die sonst weggeworfen worden wären.

Wir sind einfach Bürger, denen es um das Gemeinwohl geht. Die jungen Menschen, um die wir uns kümmern, haben festgestellt, dass wir für die Flüchtlinge ihre Familie geworden sind; die Caritas hat die Wohnung gestellt und überlegt mit uns zusammen, welche Lösungen wir für sie finden können. Jetzt wohnen sie in verschiedenen Arbeiterunterkünften von ATAS.”

Die Betroffenen selbst bezeichnen die familiäre Atmosphäre als das Kostbarste.

Elena erzählt zum Abschluss: “Ich erinnere mich, wie mein Mann und ich auf den Hinweis einer Freundin hin nachts nach einem verschwundenen Jugendlichen gesucht haben, der gegen seinen Willen in eine Schlägerei geraten war, oder wie wir den Urlaub abbrachen, um einem anderen jungen Mann Trost zu geben, der uns als seine Adoptiveltern gewählt hat. Aber die Liebe ist gegenseitig: wir wurden überhäuft mit Weihnachts- und Osterglückwünschen; wir haben mit den Zugezogenen gefeiert und auch gebetet. Wir wurden zum Geburtstag eingeladen und haben miteinander gefeiert. Sie sind mit unseren Kindern und liebsten Freunden dabei und wussten nicht mehr, womit sie uns noch eine Freude machen konnten. Alles wurde miteinander geteilt. Als zwei von uns krank wurden, wurden sie mit Besuchen und Hilfen überhäuft. Kürzlich, zum Ende des Ramadan,  riefen sie uns an, um entsprechend ihrem Brauch um Vergebung zu bitten und zu danken.“ 

 

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