NEUE GESELLSCHAFT

Gesellschaft und Kunst

Zurich

Hier lässt sich leben! In Eschenbach, einer kleinen Gemeinde südlich von Zürich in der Schweiz kann man Unterhaltung und Erholung für die ganze Familie finden. Das wunderschöne Tal bietet Mountainbike-Ausflüge, intakte Natur und noch vieles mehr…

 

Eschenbach liegt zwischen Feldern und Wäldern, Weiden und Bächen in einer Gegend mit vielen Wegen zu Bauernhöfen und Naturschönheiten, die sich für Fuß- und Radwanderer eignen. Kaum eine Zugstunde von Zürich entfernt, scheint dies ein idealer Ferienort, mit guter Luft. Hier lässt sich leben! 

Hier lässt sich in jeder Altersstufe leben, möchte man angesichts  des Muts und der Begeisterung einer Gruppe von Frauen aus dem Ort sagen, die eindrucksvolle Initiativen voranbringen. Eine davon ist, unter den 5500 Einwohnern ihrer Gemeinde die „Geringsten“ zu suchen und etwas für sie tun.

Nach zehn auswärtigen Jahren war Brigitte Bucher wieder nach Eschenbach zurückgekehrt. Mit ihrem Mann hat sie vier mittlerweile erwachsene Kinder. Regelmäßig trifft sie sich mit sieben Freundinnen zu Vertiefung und Austausch über ein Wort des Evangeliums und seine Wirkungen in ihrem Alltag.

Brigitte meint, beim Meditieren darüber stehen zu bleiben, sei nicht genug; gemeinsam fragen sie sich, was konkret “dran sein” könnte. 

Die Antwort gibt ihnen Anna Grüsser; sie gehört erst seit kurzem zum Kreis und hat eine Gruppe von Asylanten im Blick. Sie leben in einem ehemaligen Kindergarten mitten im Schulkomplex des Ortes, doch niemand kennt die Insassen und ihre Herkunft. 

«Seit Jahren beten wir darum, dass sich jemand im Dorf für die Flüchtlinge interessiert. Das ist eine Gebetserhörung», ruft Schwester Marianne, eine reformierte Diakonissin, aus, die ehrenamtlich bei der Gemeinde für sie arbeitet. Brigittes Anruf gibt ihr Hoffnung.

Wie armselig die ganze Einrichtung ausgestattet ist, wird unmittelbar sichtbar. Diese Menschen brauchen nicht nur materielle Hilfe, sondern vor allem menschliche Wärme, um sich zuhause fühlen zu können. Eine der ersten Ideen ist eine Weihnachtsfeier mit ihnen.

Mit Begeisterung beginnt die Vorbereitung. Jede Wohnung bekommt eine Einladung zum Fest in der „Arche“. Ein Moslem und ein Christ dekorieren gemeinsam den Weihnachtsbaum, Kinder und Jugendliche bereiten Szenen mit Weihnachtsgeschichten vor, ein Äthiopier  kümmert sich um die Texte in Englisch, eine Afrikanerin in Französisch, und zwei Jungen um die Übersetzungen in Deutsch.

Am Ende nehmen 52 Dorfbewohner und 12 Flüchtlinge teil. Der Bürgermeister, der auch dabei ist, übergibt der Schwester einen Umschlag mit Geld.  Spiele, Musik, Lieder schaffen eine freudige Atmosphäre, in der die Sprachbarrieren sich auflösen und lebhafte Gespräche entstehen. Die zwölf Gäste können von ihrem Schicksal erzählen, werden aufgenommen, finden Zuhörer. Vielleicht finden sie zum ersten Mal Verständnis.

Nach dieser ersten Begegnung folgen weitere Gelegenheiten, die die Einwohner von  Eschenbach immer mehr eine Familie mit den Flüchtlingen der Arche werden lassen. Brigitte, Anna und ihre Freundinnen  versuchen auf die Bedürfnisse der neuen Bekannten einzugehen.

Habton  aus Eritrea ist einer davon, 25 alt. Auf Grund der politischen Lage in seinem Land kann er vorerst nicht an eine Rückkehr denken. In der Arche teilt er das Zimmer mit drei Männern, findet sich zusammen mit 20 weiteren Personen aus Eritrea, dem Kongo, Sri Lanka, Bangladesh, China und Serbien. Für Nahrung, Unterkunft, Kleidung hat er 450 Franken im Monat zu Verfügung. Ab und zu erlaubt er sich einen Bus, und einmal im Monat ruft er seine Mutter an. «Ich bin froh, dass ich hier in Frieden leben kann», sagt er, «aber mein Leben hier in der Arche besteht aus Sitzen und Warten».

Die Gruppe um Brigitte versteht sofort, was das dringendste Problem für Habton und auch für viele der Anderen ist. Sie möchten sich nützlich machen, auch wenn sie nichts verdienen können. Bei den Kontakten mit der Gemeinde ergibt sich für sie, dass sie zum Schneeräumen und für leichte Waldarbeiten  herangeholt werden können. Habton besucht die Deutschkurse der Gemeinde, kann sich mittlerweile mit den Leuten im  Dorf verständigen und damit seine Möglichkeit zum Aufbau von Kontakt und Freundschaft erweitern. 

Eins zieht das andere nach sich: Jacken und warme Schuhe kommen in der Arche an. Eine Afrikanerin bekommt einen Morgenrock geschenkt, während eine Schwangere aus dem Kongo kurz vor der Niederkunft ein Kinderbettchen erhält. Jemand spendet 50 Franken für die Unterkunft, der Arzt wird bei Bedarf gerufen, Fahrräder finden sich, damit die Gäste sich bewegen können und Buskosten sparen.

Das nächste Weihnachtsfest lässt sich viel einfacher vorbereiten; jetzt kennt man sich. Flöten, Tamburine, Musik aller Art erfüllen das Haus. Die Kinder führen die Herbergssuche auf, und das ist wirklich bewegend. Es ist Weihnachten, jenseits der Grenzen von Kultur, Religion und Sprache. 

Christine Stehli, Zurich (Ch)

©  Photo Copyright Jeffrey Keefer, Creative Commons License

 

Presets
Main Style
Patterns
Accent Color
Apply

Diese Website verwendet Cookies, auch von Drittanbietern, um die Nutzung zu erleichtern. Wenn Sie diesen Hinweis schließen, stimmen Sie der Verwendung der Cookies zu.