NEUE GESELLSCHAFT

Gesellschaft und Kunst

LandscapeBogota

 

In einem der problematischsten Bezirke von Bogota, Kolumbien, arbeitet man seit mehr als 30 Jahren an einem Projekt für soziale und kulturelle Entwicklung unter den Bedürftigen und trägt so zur Eigeninitiative eines ganzen Bezirks bei.

 

Paolo Balduzzi

Bogota, die Hauptstadt Kolumbiens, expandiert trotz seiner sieben Millionen Einwohner noch immer. Sie erstreckt sich im Schutz der Anden auf einer Hochebene von 2.600 Metern über dem Meer.
Merced Sur, einer ihrer 20 Bezirke, liegt auf einem bergigen Gelände im Südosten der Stadt.

Hier fehlen die grundlegendsten Infrastrukturen. Somit sind die Menschen schwierigen Lebensbedingungen ausgesetzt. Jetzt, nach mehr als dreißig Jahren und auf Grund intensiver Zusammenarbeit mit den Bewohnern, konnten viele Familien eigene Häuser bauen. Von Mal zu Mal erhielten sie einige öffentliche Einrichtungen. Trotzdem fehlt in manchen Gegenden noch immer die Kanalisation, manche Straßen bestehen teilweise nur aus festgestampfter Erde oder aus Treppen, da der Bezirk an einem Abhang liegt. Vielen Häusern fehlen die nötigen Fundamente.

Der Arbeitsmarkt ist sehr unsicher und eröffnet keinerlei Perspektiven für wirtschaftlichen oder persönlichen Fortschritt. Den meisten Menschen dient die handwerkliche Produktion von Ziegelsteine als einzige Einnahmequelle. Dazu benutzen sie den Lehm, der bei ihnen vorkommt. Deshalb erhielt der Bezirk im Laufe der Zeit den Namen: „Die Ziegelbrenner“ („Los Chircales“).

Auch auf sozialem Gebiet gibt es viele Probleme. Innerhalb der häuslichen Mauern kommt es mehrfach zu Gewalt. Alkoholismus und Drogenkonsum sind auch bei Jugendlichen sehr verbreitet. Obwohl das Projekt seit 30 Jahren existiert, kämpft die Kommunität dieses Bezirks noch immer um das tägliche Überleben.

Im Gegenzug entstand 1981 das Sozialzentrum „Einheit“ mit dem Ziel, etwas in Gang zu bringen. Es möchte – immer die weltweite Geschwisterlichkeit im Blick - umfassende Hilfsprojekte lancieren, um die Einwohner zu unterstützen. Mit ihren Initiativen will sie dazu beitragen, dass eine Generation von Frauen und Männer herangebildet wird, die fähig sein wird, sich persönlich für ein würdigeres und aktives Leben einzusetzen. Dafür ist es wichtig, die Werte im eigenen Leben zu verwirklichen, die menschliches Zusammenleben ausmachen wie Solidarität, Geschwisterlichkeit, Toleranz, Respekt, persönliche Verantwortung für das Gemeinwesen.

stradaBogota

Bereits 1978 nahmen Mitglieder der kolumbianischen Gemeinschaft, die die Geschwisterlichkeit verwirklichen möchten, Kontakt zu einigen Familien auf. Sie boten ihnen elementarste Hilfsdienste sowie Zusammenarbeit an. Da man sich auf so natürliche Art und Weise begegnete, lernten sie mit der Zeit die wachsenden Nöte der Bevölkerung kennen.
Die Eröffnung des Sozialzentrums war nur eine logische Konsequenz der angebotenen Aktivitäten, die sich in den kommenden Jahren ständig ausweiteten. Man beriet die Menschen in Erziehungsfragen und im Sanitärbereich. Das Zentrum wurde Bezugspunkt für den gesamten Bezirk und wurde Anlaufstelle für Menschen mit unterschiedlichsten Fragestellungen.

In diesen dreißig Jahren wurden viele soziale, erzieherische und kulturelle Prozesse in Gang gesetzt, um den gemeinsamen Zusammenhalt zu fördern und gleichzeitig Hilfe zu leisten, damit die Menschen zu sozialen Akteuren werden, deren Wunsch es ist „für die anderen zu leben, den anderen zu leben“.

Es war ganz offensichtlich, dass sich allmählich im Bezirk eine starke Gemeinschaft bildete. Diese Entwicklung ist den Vorreitern zu verdanken, die sich dem Prozess einer gemeinschaftlichen, freien, verantwortlichen und umfassenden Selbstverwaltung gestellt haben.

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