NEUE GESELLSCHAFT

Gesundheit und Ökologie

Annaheim 1

 

 

Eckhardt und Relinde Schwappach sind die Gründer des Annaheims, ein Pflegeheim für ganz besondere Senioren

Saarland, Westdeutschland. Neunkirchen ist eine kleine Stadt an der Grenze zu Frankreich und Luxemburg.

Annaheim 4
Hier lebt das Ehepaar Eckhardt und Relinde Schwappach:
seit vielen leben sie das Ideal der Geschwisterlichkeit, das sie immer versucht haben in ihrem Beruf umzusetzen, zum Wohle der Region in der sie lebten. Die beiden haben das „Annaheim“ gebaut, ein Pflegeheim für Senioren, die nicht mehr alleine leben können. Soweit nichts Ungewöhnliches.  Doch man muss das Annaheim betreten, um die Neuheit zu verstehen. Und hier, an einem Tischchen auf dem „Dorfplatz“ sprechen wir mit Eckhardt: 

«Der Kontext in den das Annaheim eingebunden ist, ist stark ökumenisch geprägt, da die Bewohner der Region sowohl katholisch als auch evangelisch sind. Relinde hatte die Anfrage erhalten, einige evangelische Senioren zu pflegen: Wir haben verstanden, dass wir auch auf diese Notwendigkeit mit unserer spezifischen Professionalität antworten konnten.» In der Tat sind die Schwappachs beide Krankenpfleger».

Da die Kinder bereits groß waren und ihre eigenen Wege gingen, nahmen die beiden in einem Teil ihres Hauses einige Senioren auf, die so einen ähnlichen Tagesablauf wie früher beibehalten konnten, ohne das Gefühl zu haben, sich in einem Heim zu befinden. Es sind Jahre, in denen Eckhardt und Relinde erlebt haben, das die Senioren keine Belastung für die Gesellschaft sind, sondern eine Bereicherung.

«Nachdem die Anfragen zunahmen, haben wir 2005 überlegt, ein neues Haus zu planen; wir haben uns an die Arbeit gemacht, um eines zu bauen, das auch in seiner architektonischen Struktur ein familiäres Klima mit authentischer Beziehung begünstigt». 

In der Planungsphase hat Eckhardt 5 Jahre Seite an Seite mit Architekten und Technikern gearbeitet, bis die Arbeiten beendet waren. Die gesammelten Erfahrungen haben ihm in der Tat ermöglicht, vorher schon die Bedürfnisse der Senioren zu verstehen und so wurde auch in den kleinsten Kleinigkeiten der Einrichtung des Hauses an sie gedacht und für sie gebaut. 

Annaheim 3
Heute präsentiert sich das Annaheim als ein Haus mit drei Stockwerken und einem zentralen Gemeinschaftsbereich, dem “Dorfplatz”, von dem drei Flure ausgehen zu den einzelnen Wohnbereichen.

Im Erdgeschoss befinden sich Küchen, Lagerräume, Archiv und Büros, der Rest gehört den Gästen. Jeder Flur ist nach einer Blume benannt, die Wände sind in der entsprechenden Farbe gestrichen und an der Eingangstür hängt das passende Foto. 

An jeder Zimmertür hängt das Bild desjenigen, der dort wohnt; jeder Raum hat eine Hausnummer, um die Atmosphäre eines Hauses und einer Stadt zu schaffen. 

Die Zimmer haben 18 m² plus Bad und könnten rein gesetzlich zwei Personen beherbergen, aber im Annaheim werden sie von einzelnen Personen bewohnt, damit diese soviel Lebensraum wie möglich haben. 

Annaheim 2
Jeder findet eine Grundmöblierung vor, kann aber seine eigenen Möbel von zu Hause mitbringen.
Am Ende eines jeden Flures gibt es einen Wintergarten, klein, behaglich und farbig gestrichen, voller Licht, ein gemeinsamer Aufenthaltsraum für alle aus dieser „Straße“, mit Tischgruppen, um die Geselligkeit zu fördern. Die modernen und funktionellen Möbel werden von Möbeln aus anderen Epochen ergänzt, um den Senioren dabei zu helfen, sich an Orte und Dinge aus ihrem eigenen Leben zu erinnern. 

«Damals hatten wir keine Sicherheit, dass ein solches Projekt gelingen könnte, aber heute sind wir wirklich glücklich: das Annaheim ist eine der Einrichtungen, die eine Vorreiterrolle spielen in der Altenpflege, gemäß hoher Qualitätstandards. Der höchste von allen ist natürlich die Beziehung unter den Personen. Wir haben erfahren, dass die Einsamkeit mit das größte Leid in unserer Zeit ist, gegen das nicht einmal die geriatrische Pflege hilft».

Margarete Ziemann ist bereits seit einigen Monaten zu Gast, heute ist sie glücklich, weil endlich ihre Möbel angekommen sind. Sie hat endlich wieder ihren Fernseher und ihren Sessel und fühlt sich wirklich zu Hause. «Das Schönste ist meine Freiheit, die ich behalten konnte, zusammen mit vielen Freunden. Ich fühle mich nicht mehr allein, sondern begleitet.»

Wir gehen einen Augenblick in das Erdgeschoss hinab, wo sich ältere Bewohner mit psychischen Störungen befinden. Die Lage und die Nähe des Gartens erlauben es den Menschen, stundenlange Spaziergänge zu unternehmen. Das führt zu einem geringeren Arzneimittelkonsum und einer besseren Lebensqualität für alle. Es wird ständig nach Methoden und Erleichterungen der Beziehung gesucht, denn manche akuten Phasen psychischer Erkrankungen finden in der Beziehung ihre Lösung und erfordern so weniger emotionale Anstrengung von allen.

Die Küchen fertigen auch Speisen für Schulkinder oder andere Kantinen in der Gegend an. Die Integration mit der Bevölkerung ist in der Tat einer der  unübertrefflichen Aspekte des Annaheims, das einen ständigen Austausch mit Verbänden und Institutionen pflegt, indem sie Dienste am Bürger und Räume der Begegnung zwischen den Hausgästen Familienangehörigen und Nachbarn fördern.

Natürlich macht man solche Erfahrungen nicht über Nacht: es braucht eine ernsthafte Unternehmenskultur und eine umfassende medizinische Vorbereitung, die es erlauben, bestmögliche Pflege aus wissenschaftlicher Hinsicht anzubieten.      Dazu kommen zwei Elemente, die das Neue ausmachen: die Beziehung und die Öffnung zur Region. 

Die Beziehung ist die Methode, die es jedem erlaubt, entsprechend seiner Funktion, die eigenen Möglichkeiten zu optimieren. 

Die Öffnung zur Region indes bildet einen fruchtbaren Boden damit sich die Gäste auch als solche fühlen können: Es sind freie Menschen und gleichzeitig sind sie wesentlicher Teil eines größeren sozialen Umfelds, mit dem ein vielfältiger, ständiger Austausch erfolgt. Die positive Auswirkung der Pflege wird immer deutlicher, auch dank der Bereitschaft der Menschen ihren Zustand zu akzeptieren und folglich die Pflege und die Aktivitäten, die ihnen angeboten werden.

 

© Photo Copyright Thomas Raphael for Umanità Nuova website, all rights reserved

 

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