NEUE GESELLSCHAFT

Gesundheit und Ökologie

Villaloretto2Die Einrichtung war ursprünglich für Senioren gedacht, entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre für die ganze Stadt zu einem Ort der Begegnung, mit der Erfahrung von Familie durch das Miteinander von Generationen, Völkern und Religionen. Die beteiligten Ordensfrauen konnten nicht ahnen, welche Entwicklungen sich aus diesem Projekt heraus ergeben würden, denn...

 

Wisconsin (USA)
Paolo Balduzzi

Schwester Rose kannte bereits seit den 60iger Jahren das Ideal der weltweiten Geschwisterlichkeit. In einer sehr „turbulenten“ Zeit für das Ordensleben in den USA - um es gelinde auszudrücken - verließen viele Schwestern den eingeschlagenen Weg. Im Miteinander mangelte es an Geschwisterlichkeit, und das wirkte sich auch auf die Umgebung aus. Da sich die Lebensweise der Schwestern in jenen Jahren stark veränderte, hielt die Generaloberin Sr. Rose es für richtig, das neue Lebensmodell in die überarbeitete Version der „Regel“ ihres Instituts aufzunehmen.

Obwohl Schwester Rose seit einigen Jahren nicht mehr unter uns weilt, führen die Schwestern ihr Lebenswerk weiter. Dabei nutzen sie jede Möglichkeit, um gemeinsam zu bezeugen, dass die Geschwisterlichkeit kein abstraktes Ideal ist, sondern die Fähigkeit besitzt, Dinge zu verändern, das Leben einer Stadt positiver zu gestalten.

Sehen wir uns einmal Villa Loretto an. Die Mehrzahl der Bewohner sind Bauern. Die Schwestern haben ein Umfeld geschaffen, in dem sie sich aufgenommen wissen. Sie fühlen sich wie zu Hause, weil sie von schönen Gärten, Hügeln und Seen umgeben sind. Gemeinsam mit den Schwestern halten die Bewohner Schafe, Ziegen, Hühner, Pferde und Kaninchen. In Käfigen fliegen bunt gefiederte Vögel. Auf den Fluren und in den Gemeinschaftsräumen freuen sich die Senioren über Schildkröten und andere Tiere.

Im Laufe der Jahre wurde Villa Loretto immer bekannter; man schaffte auch exotische Tiere an wie Lamas, Alpakas, Strauße und Pfauen. Alle diese Tiere dienen therapeutischen Zwecken, aber sie tragen auch dazu bei, das Besitztum zu verschönern. Es wurde zur Attraktion für die ganze Umgebung.

Einige Jahre später entstand Villa Rosa für Senioren, die noch alleine leben können, während man sich in Villa Loretto der pflegebedürftigen Menschen annimmt. Zurzeit leben dort 72 Personen; 101 Angestellte und mehr als 50 Freiwillige, die die Arbeit auf vielfältige Weise unterstützen.

Unter den Mitarbeitern und Bewohnern gibt es nicht nur Katholiken, aber alle Angestellten wissen, dass es zur Mission der Schwestern gehört, in ihrem Umfeld Geschwisterlichkeit aufzubauen. Da sie beobachten können, wie die Ordensfrauen dies durch ihren Einsatz und ihre Freude beispielgebend vorleben, fühlen sie sich ganz zugehörig und behandeln jeden Patienten respektvoll, fürsorglich und feinfühlig.

Unter den Mitarbeitern entwickelte sich eine so starke familiäre Atmosphäre, dass einige auf besser bezahlte Arbeitsangebote verzichteten, um weiterhin in dieser Einrichtung zu bleiben.

Eines Tages kam eine neue Bewohnerin hinzu, eine überzeugte Muslima aus Indien. Für sie war alles neu. Sie begegnete hier einer total anderen Kultur als der ihren, kannte die Sprache nicht und war eine ganz andere Ernährung gewöhnt. Da ihre Verwandten drei Stunden entfernt wohnen, kamen sie nur selten zu Besuch und so fühlte sie sich sehr allein. Gemeinsam bemühten sich Schwestern und Mitarbeiter, ihr das Umfeld so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie erhielt die Möglichkeit, die Gebete gemäß ihrer Religion zu verrichten, damit auch sie sich zu Hause fühlen konnte. Als die Angehörigen schließlich ein Haus in ihrer Nähe fanden, wollte die Dame nicht mehr umziehen.

Wenn an einem Ort so intensiv, so kohärent gelebt wird, und im Innern das Gute trotz unvermeidbarer Schwierigkeiten und der Begrenztheit der menschlichen Möglichkeiten überwiegt, dann kann das nicht nur für einige wenige gelten, sondern es wirkt ansteckend und verbreitet sich wie Kreise, die sich bilden, wenn man einen Stein ins Wasser wirft. In unserem Fall sind die Kreise die Bezirke, die Nachbarn, die umgebende Stadt, denen die vielfältige Mission der Schwestern gewidmet ist.

Seit einigen Jahren stellen die Schwestern Brot und Süßigkeiten her, die sie unter dem Namen „nun better“ verkaufen (man kann es so übersetzen: “Es gibt nichts Besseres als das, was die Schwestern herstellen“). Sie haben bereits eine große Kundschaft. Viele Unternehmen der Region geben einen Teil ihrer Einkünfte ab, schenken landwirtschaftliche Produkte, warme Pullover, Kinderkleidung, Decken und anderes, was die Schwestern dann unter der Kommunität verteilen.

Angeregt durch das Beispiel der Schwestern, begann der Pfarrer einer kleinen afroamerikanischen Gemeinde mit einem Projekt, in dem jeder Beteiligte seine unterschiedlichen Fähigkeiten einsetzen kann. Sie besuchen Familien in ökonomischen Schwierigkeiten und stellen dann den Kontakt zu den Ordensfrauen her.

Die Schwestern stellten den Lehrern der nahe gelegenen Schulen den „Würfel der Liebe“1) vor, und diese haben ihn jetzt bei den Kindern eingeführt.
Mit der Zeit wurde Villa Loretto immer bekannter. Auch die Kommunität verfolgte interessiert die vielen regelmäßigen Aktivitäten. Diese Angebote können jedoch nur deshalb durchgeführt werden, weil sich sowohl die Angestellten als auch die Freiwilligen in ihrer Freizeit zur Verfügung stellen. Es gibt da “Respite care“, Erholungsmöglichkeiten für Kinder mit emotionalen Störungen, die unter schwierigen Verhältnissen leben. Sie können für einige Tage, ein Wochenende oder auch für länger daran teilnehmen. Bereits mehr als 500 wurden durch dieses Projekt begleitet. Viele konnten ihr Leben ändern oder bekamen ein besseres Selbstwertgefühl.

Mit dem „Family Fun Day“, dem „Familienerholungstag“ möchte man die Familien der Umgebung unterstützen und sie ermutigen, Dinge gemeinsam zu unternehmen.

Am 31. Oktober, dem traditionellen Halloween Fest, können sich die Kinder auf vielfältige Weise betätigen. Für die Größeren wartet ein Gang durch den „Zauberwald“ (aus Dekorationen), für die Kleinsten viele Spielmöglichkeiten. Die Kinder gehen zu den Senioren, um ihre Kostüme zu zeigen und erhalten von ihnen Süßigkeiten. Auch dieses Fest hat immer einen großen Erfolg und trägt dazu bei, dass sich die Generationen kennen lernen.

Im Frühjahr und im Sommer werden die Schwestern auf die Jahrmärkte der nahe gelegenen Ortschaften mit ihren kleinen Tieren eingeladen, damit die Kinder sie streicheln und füttern können. Es ist eine sympathische Kombination: die niedlichen Tiere und die Schwestern im Habit. Dadurch bleiben viele stehen, es kommt zu Kontakten und nicht selten ergeben sich sehr tiefe Gespräche mitten im Getümmel.

Schließlich gehört das Gelände noch zu den “Tours”, den Ausflugszielen. Die wichtigste Stadt der Region, Fond-du-Lac, bezieht Villa Loretto in die touristischen Attraktionen der Zone mit ein. Seit ein paar Jahren wird sie von Touristen, in der Mehrzahl Kinder, besucht. Sie reisen mit Bussen aus vielen Gegenden an. In diesem Jahr kamen 30 Reisegruppen mit 1.500 Personen aus dem Umland sowie aus Kentucky und sogar aus Texas.

1) Beim Würfel der Liebe handelt es sich um einen normalen sechsseitigen Würfel, bei dem auf jeder Seite ein Motto steht, das daran erinnert, den ganzen Tag die Geschwisterlichkeit zu leben. Als pädagogisches Hilfsmittel für Kinder erdacht, verwenden aber auch viele Erwachsene am Morgen als Motto für den Tag.

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