NEUE GESELLSCHAFT

Gesundheit und Ökologie

Anne & Brian Hickey

In der modernen australischen Stadt bietet die Krankheit von Anna der Kommunität Gelegenheit, eine glaubhafte Antwort auf den Schmerz von Patienten zu geben und gleichzeitig auch aus wissenschaftlicher und juridischer Sicht zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Von Lorraine Lipson-Melbourne (Australien)

Melbourne liegt im Südwesten von Australien. Als Hauptstadt des Staates Victoria ist sie auf Grund der Einwohnerzahl die zweitgrößte Stadt des Landes und ein wichtiges Zentrum für Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Freizeit mit Büchereien, kulturellen Werkstätten sowie neuen Strömungen. Von der UNESCO wurde sie zur Literaturhauptstadt kreiert auch auf Grund ihrer Fähigkeit, Trends zu setzen. Hier treffen sich avantgardistische Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler, arbeiten neue Trends aus und exportieren sie weltweit.

Anna Hickey lebt von Geburt an in dieser Stadt. Seit fast vierzig Jahren leidet sie an einer seltenen Form von Hautkrebs. Als die Krankheit entdeckt wurde, sah Anna auf Grund der invasiven Therapie ihre sozialen Kontakte bedroht, ihre Beziehung zu den anderen, sie so vollkommen zu isolieren, dass es ans Absurde grenzt. Durch den Mut, den Glauben und die Unterstützung ihres Mannes Brian und anderer Freunde, die mit ihr das gleiche Ideal teilen, gelang es ihr trotz ihrer physischen Grenzen eine Möglichkeit zu finden, ihr Dasein zu verbessern und daran zu wachsen.

Anna wurde bewusst, dass noch andere Menschen an derselben Krankheit wie sie leiden und genauso von Isolation bedroht sind. Deshalb entschloss sie sich zur Gründung einer Selbsthilfegruppe, um die Lebensqualität dieser Patienten und ihrer Familien zu erhöhen. In diesem Bemühen blieb Anna nicht allein, denn als Tochter ihrer Stadt war sie fähig, einen Trend zu setzen. Dabei bezog sie außer Brian die medizinische Equipe mit ein, die sie behandelte und die Freunde, die mit ihr das konkrete Ideal der Geschwisterlichkeit teilen mit dem Ziel, die Welt zu einer einzigen Familie zu machen.

Der Anfang war schwer, da sich bei dem ersten Versuch, eine lokale Selbsthilfegruppe zu gründen, zu wenige meldeten. Aber Anna und ihre Freunde gaben nicht auf. Sie stellten den Kontakt mit dem Professor eines medizinischen Forschungsinstituts in einem anderen Staat Australiens her. Dieser bot seine Mithilfe bei der Suche von Patienten mit derselben Krankheit an. Durch den Aufruf bekam dieses erste kleine „Netz“ eine Rückmeldung von 10 Personen aus unterschiedlichen Staaten des Landes. Für viele von ihnen war es die erste Gelegenheit nach Jahren mit Menschen zu kontaktieren, die von dem gleichen Leiden heimgesucht wurden. Nun war der Augenblick zu einem zweiten Versuch gekommen..

Anna „bewegte“ sich per Telefon und Internet im ganzen Land. Dadurch knüpfte sie Verbindungen zu den größten Behandlungszentren von Hautkrebs und zu vielen Spezialisten in ganz Australien. Auch die bereits existierenden Patientengruppen bei ihnen sowie in England und in den USA unterstützten die Initiative und berichteten davon auch auf ihrer Website. Aber die Gruppe verzichtet keinesfalls auf die Unterstützung der anderen ärztlichen Spezialisten vor Ort. Sie sahen in diesem Netz, das sich auch in Melbourne knüpfte, eine reale Möglichkeit, Erfahrungen und wichtige Informationen mit allen Patienten auszutauschen.

Ein kleines Team nahm sogar die lange Reise in Kauf, um an dieser ersten Begegnung teilzunehmen. Daraus entwickelte sich schließlich ein Netz, das sich durch das Internet vergrößerte und somit half, die Kommunikation unter Pflegebedürftigen und Familien sowie unter den Familien selbst zu erleichtern. Auf diese Weise nahm und nimmt man bewusst an den Schmerzen und Erfolgen teil, die mit der Krankheit zusammenhängen. Dies wiederum stärkte bei den Betroffenen das Persönlichkeitsbewusstsein. In ihnen wuchs die Überzeugung, auch in ihrem Zustand mit der gleichen Würde am Leben wie alle anderen teilnehmen zu können – auch mit Hautkrebs.

Heute gehört die Gruppe aus Australien zum internationalen Selbsthilfe-Netzwerk. Es gab ein weiteres erstaunliches Ergebnis dieser Aktivität. Eine Kranke willigte ein, sich erstmals klinischen und pharmakologischen Tests bei einem Arzt zu unterziehen, dem es zuvor unmöglich war, Patienten anzuwerben.

Ein anderer Arzt des Kontinents fasste Mut, die Suche nach staatlichen Subventionen für Hautkrebserkrankte weiter fortzusetzen, damit sich diese den teuren Behandlungen unterziehen können.

All das zeigt, wie in Australien das Ideal der Geschwisterlichkeit eine Kommunität mit einbezieht und sie anspornt, die Wunde der Stadt aufzuspüren. Gemeinsam suchte man nach einer Lösung. In diesem Fall konnten die neuen Kanäle der Kommunikation und die gegenseitige Unterstützung vieles bewirken. Viele lebten lange Zeit isoliert und teilen sich heute ihre Erwartungen und Eroberungen eines langen und oft schmerzhaften Weges mit. Und es beeindruckt, dass durch die Tatkraft vieler sich nicht nur die Lebensbedingungen der Patienten verbesserten, sondern auch die medizinische Forschung in wirksamerer Weise unterstützt wird.

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