NEUE GESELLSCHAFT

Politik und Verwaltung

Angelo Crescente

 

 

Angelo Crescente und Emilio Donnarumma sind Bürgermeister beziehungsweise Sekretär im Bürgeramt von Capodrise, Provinz Caserta. Kann man Geschwisterlichkeit auch bei der Arbeit im Rathaus verwirklichen? Es ist möglich. Sehen  wir, wie das geht!

Emilio Donnarumma

Wir sind Emilio Donnarumma und Angelo Crescente, einer ist Sekretär im Bürgeramt, der andere  Bürgermeister von Capodrise, einer Kommune in der Provinz Caserta (Italien).

Die Aufgaben eines Gemeindesekretärs beinhalten die Zusammenarbeit sowie die juristische und verwaltungstechnische Beratung des Bürgermeisters und aller verantwortlichen Gremien im Gemeinderat, damit jede öffentliche Verlautbarung gesetzeskonform abgesichert ist.

In den 35 Jahren meiner Tätigkeit bemühte ich mich, meine Aufgaben verantwortungsbewusst durchzuführen. Dabei stützte ich mich auf Werte, die mich meine Eltern gelehrt haben, und später dann  auf das Ideal der Geschwisterlichkeit. 

Natürlich gab es viele Niederlagen. Besonders schwierig war es, wenn es darum ging, illegales Handeln zu beobachten und ihm zustimmen zu müssen, weil es  in unserer Gegend sehr verbreitet ist. 

In der Zusammenarbeit mit vielen Bürgermeistern und Referenten habe ich jedoch versucht, meine Rolle als Berater so gut wie möglich auszuüben. Unter Berücksichtigung aller Aspekte bot ich die richtige Interpretation einer Anweisung an. Aber nicht immer hatte ich es mit einem „politisch korrekten“  Bürgermeister zu  tun und mit einem, der  die Legalität respektiert.

Deshalb habe ich häufig Stellung bezogen und auch meine gegenteilige Meinung grundsätzlich zum Ausdruck gebracht. Das Gewissen gab mir immer ein, nach dem Grundprinzip einer Bestimmung zu fragen und es zu respektieren. Mit meinem Einsatz wollte ich Maßnahmen verhindern, die häufig nur dazu dienten, das Gesetz zu „hintergehen“.

Auf diese Weise habe  ich mich zwölf Jahre um meine Stadt bemüht; seit 2011 tue ich das an der Seite von Angelo, als er Bürgermeister von Capodrise wurde.

Angelo Crescente

Bereits in den ersten Tagen nach meiner Wahl im Mai 2011 wurde mir meine Unzulänglichkeit für die große Aufgabe bewusst, die mir die Wähler übertragen hatten. Um meinen Weg weiterhin gradlinig zu gehen, musste ich meine Entscheidungen nach dem Ideal der Geschwisterlichkeit treffen.

Als Gemeindesekretär wählte ich Emilio,  den ich seit dreißig Jahren kenne und von dessen Qualitäten ich überzeugt war. Mit ihm an fühlte ich mich sicher und nicht nur  verwaltungstechnisch oder institutionell abgesichert, sondern auch in menschlicher und geistlicher Hinsicht. Auf ihn konnte ich mich verlassen.

Gemeinsam besprachen wir die Probleme der Gemeinde,  in erster Linie die wirtschaftlichen und finanziellen, die wir aus der vorherigen Verwaltung mit großem Defizit übernommen hatten. 

Wir wollten nicht den leichtesten Weg wählen und daher nicht dem Vorgänger die Schuld  zuweisen, sondern die Zukunft mit allen politischen Kräften gemeinsam aufbauen. 

So konnten auch Altschulden unter  Beachtung der Vorschriften getilgt werden. Dabei achteten wir akribisch auf Legalität im Umgang mit unseren Verhandlungspartnern. Dieser Einsatz zum Wohl der Gemeinde lohnte sich. Wir erzielten gute Ergebnisse und konnten auch mit ehemaligen Gegnern positive Beziehungen aufbauen.  

E.D.:

Wir erfuhren, dass einige Familien nicht nach den gesetzlichen Bestimmungen gebaut hatten. In solchen Fällen war es üblich, ihnen diese Häuser, die sie unter vielen Opfern errichtet hatten, wegzunehmen, ohne ihnen jedoch eine alternative Lösung anzubieten. Natürlich ging eine solche Entscheidung zu weit, da es sich ja um Menschen handelte, denen man eher besondere Aufmerksamkeit schenken sollte. Gerade sie leben unter vielen Entbehrungen, auch wirtschaftlich gesehen. Bei unserem Vorgehen respektierten wir sowohl die Bestimmungen, suchten aber gleichzeitig einen Weg, um ihnen ihre Häuser wieder zurückgeben zu können. In diesem Fall hat die Regionalregierung Campania ein Gesetz geändert, das es jetzt erlaubt, den Besitz zurückzuerstatten, aber nicht als Eigentum. So durften die Familien wieder in ihre Wohnungen ziehen, ohne dass es zum Eklat kam.

Diese Erfahrung zeigte uns deutlich, wie wichtig es ist, nicht bei den gesetzlichen Bestimmungen stehen zu bleiben, sondern nach dem wahren Sinn von Gerechtigkeit zu fragen, der  Vorgegebenes übersteigt, und dann zu handeln wie ein “guter Familienvater”.

Auch in anderen  Fällen haben wir uns um  das Gemeinwohl bemüht. Wir wollten  besonders den Menschen entgegenkommen, die in schwierigen Verhältnissen leben, unter Entbehrungen leiden, mit dem Wunsch, vor allem jede Person in ihrer konkreten Situation zu berücksichtigen.

A.C.:

Die Basis unserer Beziehung war ein geschwisterliches miteinander. Für dieses Ziel braucht es Tag für Tag unseren ganzen Einsatz. Und das erfordert große Anstrengung. Vor einem Jahr. sagte mir Emilio, dass er in Pension gehen möchte. Da ich mir erhofft hatte, bis zum Ende meines Mandats mit ihm zusammenzuarbeiten, schien mir diese Entscheidung fast wie ein “Verrat”. Als ich darüber nachdachte, wurde mir etwas klar. Wenn es mir um das Wohl von Emilio geht, respektiere ich seine Freiheit und müsste  meinen Weg allein weiter gehen. 

Dies schien sich im Augenblick wie zu einer Krise zu entwickeln, bis mir bewusst wurde, dass unsere Freundschaft jetzt nur noch wachsen kann. Es handelt sich hier um einen Schritt voran, nämlich das richtige Gleichgewicht zwischen einer persönlicher Beziehung und der Unterscheidung der Rollen zu finden.

 

*Der Text gibt ein Gespräch wieder,  dass Emilio Donnarumma und Angelo Crescente im Januar 2014 während eines Kongresses im Mariapolizentrum von Castelgandolfo geführt haben. Die Formulierungen sind dem Ton des mündlichen und spontanen Dialogs nachempfunden.

 

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