NEUE GESELLSCHAFT

Politik und Verwaltung

144 Milta

 

 

Am Vorabend einer Zusammenkunft, zwischen Protesten und Gefahren. Kann es trotzdem noch Sinn machen, von Geschwisterlichkeit zu sprechen?

„Ich saß in meinem Büro. Es war Abend. Ein anstrengender Tag lag hinter mir. Der morgige würde mich noch mehr herausfordern. Draußen braute sich ein Unwetter zusammen. Es handelte sich nicht um das meteorologische, sondern um eines, das aus sozialem Unmut entstanden war. Professoren wollten ihrem Protest  während des IX. Erziehungskongresses Gehör verschaffen. Es war eine gute Gelegenheit, denn unsere Stadt hatte zu dieser Zusammenkunft eingeladen…“

Mit diesen Sätzen beginnt Milta Alves Ribeiro Maron ihren Bericht. Sie arbeitet im Bereich der Erziehung beim Magistrat von Salto, im Staat von Sao Paulo. Milta hat keine einfache Aufgabe, denn sie und ihre Mitarbeiter stehen einer Kampagne gegenüber, die sich vehement gegen Verschwendung (von Geldern) und gegen Privilegien wendet. Es kam 2013 zu einem regelrechten Aufstand von Studenten und Angestellten. Diese Empörung erreichte ihren  Höhepunkt nach einem  Vorstoß der Opposition, sich den vom Kulturreferat eingeführten erzieherischen Maßnahmen zu verweigern.

Salto Prefeitura
Milta, was ist an jenem Abend geschehen?

„In dieser Situation fragten wir uns, ob es Sinn hätte, weiter zu machen oder aufzugeben. Mit Maria Luiza, einer meiner Mitarbeiterinnen, sehen wir in der Politik die „höchste Form der Liebe“, wenn sie im Hinblick auf Geschwisterlichkeit gelebt wird. Dazu braucht es alle Kräfte, um „das Antlitz der Erde zu erneuern“. Auch dieses Mal wollten wir uns abstimmen – eine große, keinesfalls einfache Herausforderung!“

Um welche konkrete Gefahr ging es dabei?

„Der Kongress war für drei Tage konzipiert, mit Konferenzen, Workshops und Minikursen. Gleichzeitig organisierten die Professoren ihre Protestkundgebung mit Plakaten und Slogans, die sie bereits am ersten Tag durchführen wollten; aber nicht nur das: es war geplant, meine Rede durch Pfiffe zu unterbrechen. Aber…es hätte auch sein können, dass noch schlimmeres passieren würde…“

Was habt ihr unternommen?

„Unter Anwesenheit des Bürgermeisters, des Vize-Bürgermeisters und der Direktoren der verschiedenen Dezernate haben wir eine Versammlung einberufen. Außer mir nahm auch Maria Luiza daran teil. Einige meinten, man solle, mit Rücksicht auf eventuelle Gefahren für meine Person und die des Bürgermeisters den Kongress absagen. Aber weder er noch ich teilten diese Meinung, schon deshalb nicht, weil die verschiedenen Organisationen, die den Kongress vorbereitet hatten, bereits bezahlt worden waren, noch dazu mit öffentlichen Geldern.“

Wenn man aufgrund von Protesten jede Veranstaltung streichen würde, könnte man keine mehr durchführen…

„Deshalb habe ich bei dieser Versammlung ganz stark auf das Menschenrecht hingewiesen, nämlich auf das Recht, seine Meinung zu äußern und dieses Recht – wenn nötig – einzufordern. Darin stimmte ich mit dem Bürgermeister überein, da uns dies immer sehr wichtig war.  Auch auf derartige Auseinandersetzungen wurden wir vorbereitet. Deshalb wäre es für uns inkonsequent gewesen, diesen Anspruch nicht anzuerkennen, gerade jetzt, wo er geleitet wurde.“ 

Und dann kam der große Tag. Was geschah da?

„Ich muss einen Schritt zurückgehen, denn in den vorangehenden Tagen, als sich die Situation zuspitzte, versuchte ich, meine Beziehung mit Gott durch die Liebe zum Nächsten zu intensivieren. Ich bemühte mich, über meinen eigenen Schatten zu springen, herauszukommen aus dem, was mich bedrückte, indem ich bereit war, alles hinter mir zu lassen, alles zu verlieren aus Liebe zum anderen. Diese Erfahrung bereitete mich auf das vor, was danach geschah. Zunächst versuchte ich unter meinen Kollegen diejenigen herauszufinden, die auch an meine Werte glaubten. Mit totaler Offenheit erzählte ich ihnen, was sich da zusammenbraute, um in der Dunkelheit einen kleinen  Lichtstrahl zu entdecken. Gemeinsam versuchten wir den roten Faden für meinen Eröffnungsvortrag herauszuarbeiten mit dem Wunsch, dem Ziel einer weltweiten Geschwisterlichkeit zu entsprechen und somit dem Gemeinwohl zu dienen.“

Brasile sorridente
Am nächsten Tag begann also der Kongress

„Ich ging zu Fuß. Viele aus der Kommunität wollten mich unbedingt begleiten und ‚eskortierten‘ mich bis zur Eingangstür. Dort standen bereits Professoren mit Plakaten, aber es kam zu keiner verletzenden Kundgebung. Als man mich bei der feierlichen Eröffnung bat, das Wort zu ergreifen, gab es einige Pfiffe, aber ich ließ mich nicht stören und blieb ganz ruhig. Gegen Ende hörten die Störungen schließlich auf; und alle haben applaudiert.“

Du hast gesagt, dass dieser Vortrag nur der Anfang einer Veränderung war. Warum?

„Weil ich in den folgenden Tagen mit den Professoren die Punkte besprechen konnte, die ihren Unmut hervorgerufen hatten. Dabei klärten sich  viele Missverständnisse, und es entstand eine neue Beziehung mit ihnen.  Am Ende des Kongresses drückten die meisten ihre Freude und Zufriedenheit über die erreichten Resultate aus. Viele wollten mir dies persönlich sagen. Es war ein echter Erfolg, ein Sieg der Geschwisterlichkeit.“

 

Foto Copyright Milta Alves Ribeiro Maron (FB), alle Rechte vorbehalten

 

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