NEUE GESELLSCHAFT

Sozialethik

pace 

 

Sieben Tage Dialog über eine schmerzhafte Vergangenheit und eine unsichere Zukunft. Trotz vieler Verletzungen gibt es in dem südamerikanischen Land Zeichen der Hoffnung, die selbst geringste Anstrengungen als enormen Schritt voran erscheinen lassen. Der Einsatz gilt der geeinten Welt.

Monika - Kolumbien

An einer “Schule des Friedens” nahmen in Kolumbien vom 3. bis. 5. August 2008 ca. 100 Personen Teil. Es kamen Akademiker, Politiker, Unternehmer, Studenten, Künstler und Menschen aus unterschiedlichen Volksstämmen und Gruppen sowie auch einige ehemalige Guerillakämpfer.

In der Schule bildeten sich kleine Arbeitsgruppen zur Vertiefung verschiedener Themen. Zu uns gehörten auch zwei ehemalige Anführer der Guerilla.

Einer von ihnen wollte unerkannt bleiben. Man merkte, wie ihn das Erlebte sichtlich bewegte, als er seine Erfahrung weitergab, die er bisher noch niemandem erzählt hatte. Alle in der Gruppe waren sehr betroffen und nahmen starken Anteil an seinem Schmerz. Nie zuvor hätten sie geahnt, einmal solches Leid miteinander zu teilen.

Diese Offenheit bewegte auch den anderen Anführer, es ihm gleich zu tun, obwohl er etwas ganz anderes erlebt hatte.
Ihm war nämlich bald klar geworden, dass ein bewaffneter Kampf zu viele zivile Opfer fordern würde, und deshalb sagte er sich von den Guerillkämpfern los. Er wollte aber trotzdem an seinem Vorsatz festhalten, sich unter Einsatz des eigenen Lebens für sein Land zu engagieren, wenn nötig auch mit Waffengewalt. Im Kampf gegen die ungeheuren sozialen Ungerechtigkeiten in Kolumbien sehen die Menschen dort keine andere Möglichkeit, ihre Interessen durchzusetzen.
Hinzu kommt noch der Hass gegen alle, die diese Missstände herbeigeführt haben. In dieser so festgefahrenen Haltung scheint es unmöglich, jemandem zu verzeihen.

Zu unserer Arbeitsgruppe gehörte auch ein “facilitador”, eine Art Schlichter, der ein sehr bekannter Vertreter der „Gewaltlosigkeit“ auf Weltebene ist und das ‚Spanische Friedensinstitut’ gegründet hat. Mit seiner Unterstützung versuchten wir, viele Aspekte und heikle Fragen, die unsere Situation betreffen, offen anzusprechen. Dabei konnte man förmlich spüren, wie unsere Ideen und Vorschläge den Teilnehmern buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzogen. Deshalb schien ihnen auch unser Vorschlag, die „Kategorie Feind abzuschaffen“, um einen ersten Schritt in Richtung Versöhnung und Freiheit zu gehen, einfach absurd.

Auch während der Pause ging der angeregte Austausch weiter, besonders aber mit den beiden Ex-Guerillas. Gerade für sie war dieser Dialog sehr wichtig. Alles, was sie erlitten hatten, kam in ihnen wieder hoch, sodass sie unsere Vorschläge nicht vorbehaltlos akzeptieren konnten. Andererseits wurde ihnen bewusst, dass es nur durch eine Spiritualität gelingen kann, die seelischen Verletzungen von innen her zu heilen. Und dadurch war es ihnen möglich, Jesus als historische Persönlichkeit zu schätzen, ihm Sympathie entgegenzubringen und ihn in den Mitmenschen zu erkennen. Ich versuchte bei diesen Gesprächen sehr intensiv zuzuhören, um im geeigneten Moment ein Wort der Hoffnung sagen zu können.
Nach dieser Schule, die in entspannter Atmosphäre und natürlicher Begegnung stattgefunden hatte, äußerten viele den Wunsch, mit uns in Kontakt zu bleiben. Sie interessieren sich jetzt für den Hintergrund unseres Engagements und möchten bei verschiedenen Initiativen mitarbeiten. Yolanda und Javier, die beiden ehemaligen Guerillas, haben bereits während des Kurses überlegt, wie sie die „Versöhnung mit dem Feind“ umsetzen können. Sie nahmen den Vorschlag sehr ernst und sagten uns am Schluss, dass sie unbedingt „lernen“ wollen, auf welche Weise man verzeihen kann.
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