NEUE GESELLSCHAFT

Sozialethik

prison

 

 

Einsatz für die Rechte der Gefangenen im überfüllteFrauengefängnis

 

 

 

Londrina (Brasilien)                                 

Paolo Balduzzi
Übersetzung Marlies Wieneke

Londrina im brasilianischen Bundesstaat Paranà ist die Stadt mit der drittgrößten Bevölkerungsdichte. Die Einwohner der Stadt im Süden des Landes sind zum großen Teil Nachfahren italienischer, deutscher, portugiesischer und japanischer Einwanderer. Der Name Londrina würdigt die englische Hauptstadt London und wurde von einer englischen Gesellschaft gegründet, die mit Baumwolle handelte.

Das städtische Frauengefängnis kann bis zu 36 Personen aufnehmen; in letzter Zeit stieg jedoch die Überbelegung auf ca. 120 Gefangene.
Auch hier im Herzen Brasiliens gibt es eine engagierte Gemeinschaft, die dem Maßstab der Geschwisterlichkeit entsprechend denkt und handelt. Langsam, aber entschieden trägt sie dazu bei, das Gesicht dieser Stadt zu verändern. Auf diesem Hintergrund kam der Gedanke, dass diese Lebensweise für alle gelten kann, also auch für die Insassen eines Gefängnisses. Die Zeitschrift "Cidade Nova“ (Neue Stadt) unterstützt in ihren aktuellen Beiträge dieses Leitbild.
So entstand die Idee, mit Hilfe von Sponsoren die Zeitschrift den Gefängnisinsassen zukommen zu lassen. Die Gefängnisleitung begrüßte das Projekt und ermutigte dazu, die Zeitschrift persönlich zu übergeben.

Im Verlauf dieser Besuche entstand eine Vertrauensverhältnis mit den Gefangenen; ihre Nöte, ihre Bedürfnisse wurden offenbar. Beispielsweise versorgte die Institution sie nicht mit persönlichen Hygieneartikeln. Wir stellten ein Set mit verschiedenen Produkten wie Zahnpasta, Tampons, Seife zusammen, aber auch mit Keksen, Stiften und Notizblöcken. Das alles wurde gemeinsam mit der Zeitschrift verschickt, als konkretes Zeichen der Geschwisterlichkeit.
Eine Fabrik spendete Süßigkeiten. Mit Hilfe der Zeitung konnten die Gefangenen, die bereits lesen können, ihren Mitgefangenen das Lesen beibringen.

Begonnen hatten wir mit diesen Besuchen im November 2006. Doch erst seit kurzem drücken die Gefangenen uns ihre Freude über unsere Besuche aus. Sie erfahren sich als von Gott geliebt und möchten ein neues Leben beginnen, das sich von ihrem bisherigen unterscheidet.

In der Begegnung mit dem „Projekt Stadt“, in dem sich weltweit viele Menschen engagieren, wurde uns bewusst, dass unsere Arbeit im Gefängnis Bestandteil dieses Projektes ist. Es musste daher unsere ganze Gemeinschaft ebenso wie die staatlichen Institutionen beteiligen, damit wir uns für die dringendsten Rechte der Gefangenen einsetzen können.

Dazu haben wir eine öffentliche Anhörung im Stadtrat organisiert und die Präsenz eines Arztes innerhalb des ganzen Gefängnisapparates beantragt, da es schwierig war, im Notfall jemanden von außerhalb zu bekommen. Unser Vorschlag wurde angenommen und an das Sekretariat im Gesundheitsministerium weitergeleitet, so dass wir nach einer geeigneten Lösung suchen konnten.

Darüber hinaus gelang es dank unserer Bemühungen, zusätzlich zur Einstellung von Ärzten und der Umsetzung eines Gesundheitsprogramms die Aufmerksamkeit der Behörden noch auf andere dringende Notwendigkeiten für das Gefängnis zu lenken. Wir suchten nach Möglichkeiten einer Berufsbildung für die Gefangenen, damit sie sich später leichter in die Gesellschaft integrieren können.

Es galt zudem, sich um das Problem der Überbelegung zu kümmern. Bis zur Fertigstellung eines neuen Gefängnisses wurden 40 Gefangene in eine ehemalige Polizeistation verlegt.
Ungeachtet aller Schwierigkeiten, denen wir auch heute noch begegnen, können wir nach drei Jahren harter Arbeit den Erfolg des Projektes Stadt feststellen.
Es macht uns sehr froh, dass einige Menschen, die ihre Freiheit verloren hatten, jetzt darum kämpfen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. So können auch sie ihren Beitrag für die Gesellschaft geben.
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