NEUE GESELLSCHAFT

Sozialethik

AngeliaRomaDie Städte sind oft Wegbereiter dynamischer Netze, geknüpft aus Vereinigungen und Diensten und belebt von Menschen, die in aller Stille daran arbeiten, denen, die am Rand der Gesellschaft  stehen, ein Zugehörigkeitsgefühl zur Stadt zu geben. In Rom ist das z.B. eine Aktionsgruppe, die sich vom Ideal der Geschwisterlichkeit anregen lässt und sich um Gefangene kümmert. Ei8nige ihrer Geschichten.

Aus Rom

 

Alberto und Angelo

Alberto ist ein Mann zwischen 50 und 60 von unansehnlichem Äußeren. Gelegentlich hat er Arbeit als Maurer. Sein Bruder Angelo kam vor kurzem aus dem Gefängnis.

Sie leben in einer baufälligen Wohnung, einer Hütte, wo Unordnung und Chaos herrschen. Man muss sich überwinden, um einzutreten. Aber wir besuchen sie trotzdem und wollen mit ihnen über die Geschwisterlichkeit sprechen; gerade die Randgebiete der Stadt sind ein Schrei der Verlassenheit. Anfangs scheinen die Beiden uns gegenüber etwas misstrauisch. Aber nach und nach empfinden sie die Solidarität und genießen die familiären Atmosphäre, die entsteht, und werden spontaner und entspannter uns gegenüber.

Alberto und Angelo beginnen freimütig ihre Geschichte zu erzählen. Man spürt, dass sie so gerne wieder anfangen würden zu kleben wenn es nach dieser so dunklen Zeit, finster für beide, möglich wäre.

Wir hören schweigend zu, versuchen uns nur in ihre Situation hinein zu versetzen, Freude und Schmerzen eines Lebensabschnitts mit vielen Verletzungen so gut wir können mit ihnen zu teilen. Unsere positiv stärkende Haltung, die keine vorgefertigten Antworten geben will, beruhigt sie und lässt sie sich angenommen fühlen, wie sie sind.

Angelo ist leidgeprüft, nach vielen Jahren Gefängnis, und ist drogenabhängig. Seine Frau hat sich das Leben genommen, sein Sohn wurde der Oma mütterlicherseits anvertraut. Er sucht wieder Arbeit. Aber er müsste wieder ein Minimum an Stabilität und Selbstvertrauen haben, bevor er sich wieder in die Gesellschaft eingliedern könnte.

Wir versuchen, ihm seinen Zustand, aber auch seine Fähigkeiten bewusst zu machen, und ihm zu erklären, dass man sich manchmal auch helfen muss. Ab und zu bringen wir ihnen Lebensmittel. Wir helfen ihnen bei Einkauf. Oft ist ihr Kühlschrank vollkommen leer. Aber vor allem versuchen wir, ihnen die Einsicht zu vermitteln, dass sie nicht allein diese Lasten tragen müssen und dass man gemeinsam immense Fähigkeiten entdecken kann.

Der Weg, der zu gehen ist, ist noch weit. Aber inzwischen sieht man die ersten Ergebnisse: die beiden Brüder haben Ordnung ins Haus gebracht und es viel einladender gemacht. Angelo hatte inzwischen die Gelegenheit, einen ganzen Tag mit seinem Sohn zu verbringen. Er konnte ihm ein paar Schuhe kaufen und hat sein ganzes Glück mit uns geteilt, „Papa“ genannt worden zu sein.

Francesco

Francesco hat mehrere Jahr im Gefängnis verbracht. Wegen seiner Drogenabhängigkeit war er dabei, die Erbschaft von seinen Eltern durchzubringen. Alfonso, einer von uns, hilft ihm, einen Teil davon zu retten, indem er ihn anregt, ein kleines Appartement zu kaufen, das zur Zeit vermietet ist. So hat er einen kleinen Ausgangspunkt zum Überleben, aber um in Würde leben zu können, müsste er nichtsdestotrotz eine Arbeit finden. Aber das ist in seiner Situation nicht leicht.

Francesco lebt mit Claudia zusammen. Sie ist nicht seine Lebensgefährtin, aber sie hat ihn einmal auf der Straße aufgelesen und ihm Gastfreundschaft gewährt. Wir besuchen sie oft und bringen auch dort Lebensmittel hin, vor allem aber unserer Verfügbarkeit und unsere Zuhörbereitschaft, damit sie sich als Teil einer Gemeinschaft, eine Familie fühlen.

Claudia ist zu 100 % behindert und in letzter Zeit hat sich ihre Gesundheit sehr verschlechtert, sowohl die physische als auch die psychische, auch auf Grund der nicht einfachen Situation von Francesco, die sie erschreckte.

Eines Abends sind wir schon im Schlafanzug, als uns ein verzweifelter Anruf von Francesco erreicht. Am späten Nachmittag fühlte Claudia sich sehr krank und ging zum Haus ihrer Tante, während diese nicht da war und jetzt kann sie nicht nach Hause zurückkehren. Sie braucht eine Jacke und das Nötigste zum Übernachten.

Wir können keine Ausflüchte machen, schnell ziehen wir uns an und nehmen eine Jacke, die uns mal geschenkt worden war und die wir dank der Vorsehung aufbewahrt hatten. Jetzt erst verstehen wir wieso.

Wir treffen sie auf einem Bürgersteig an, wo sie sich vor Kälte zusammenkauert und lassen sie die schwere Jacke anziehen. Unverzüglich suchen wir einen Platz für die Nacht, aber diese Episode zeigt uns die Notwendigkeit, dass Francesco in seine Eigentumswohnung zurückkehren muss.

Wir aktivieren eine Reihe von Freunden. Unter ihnen ist ein Anwalt für Zivilrecht und eine Experten in Finanzangelegenheiten. Sie zeigen uns, wie man die Schuldsituation von Francesco sanieren kann. Ein Teil wurde durch eine Geldsammlung beglichen.

Der Lebensweg von Francesco ist auch jetzt noch sehr schwierig. Wir spüren dies oft und bringen ihm öfter Lebensmittel und etwas Geld, gern bringen wir ihm auch Karten fürs Handy die er braucht, um den Kontakt mit uns aufrecht zu erhalten. Leider kann er noch keine festgelegten Aufgaben übernehmen und wir wissen noch nicht, welche Entwicklung die Situation nimmt. Es ist sicher wichtig, ihm weiterhin zu helfen, ihm zuzuhören und ihn anzunehmen, wie er ist, ohne ihm eine Veränderung zuzumuten, indem wir alles tun, was in unseren Kräften steht.

(Fortsetzung...)

 

 

 

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