NEUE GESELLSCHAFT

Sozialethik

prendere-il-voloEine regionale Gesetzesänderung sieht vor, dass viele Jugendliche, die vom Sozialdienst betreut werden, bei Volljährigkeit sich selbst überlassen sind (mit einem Leben auf der Straße konfrontiert sind). Diese Situation versuchen die Missionarinnen des hl. Hieronymus in Cagliari zu ändern… und es gelingt ihnen.

Schwester Paola und Schwester Veronica – Cagliari (Italien)



Schwester Paola und ich gehören zu den Missionarinnen des heiligen Hieronymus. Unsere Niederlassung auf Sardinien nimmt sich der Minderjährigen an, die vom Sozialdienst begleitet werden.

Als wir vor zwei Jahren mit der Arbeit hier begannen, wurden wir mit einem großen Problem konfrontiert. Die Jugendlichen sollten - sobald sie volljährig werden, nicht weiterhin unter Vormundschaft stehen. Sie sollten aus unserer Obhut entlassen werden und in ihre Ursprungsfamilien zurückkehren. Diese Regelung sollte per Gesetz auf der gesamten Insel gelten. Dies würde aber bei den meisten der Fälle alles zunichte machen, was in jahrelanger Arbeit aufgebaut wurde. Außerdem würden dadurch menschliche Ressourcen, Energien, Geld und Zeit unnütz verschwendet werden.

Wenn die Mädchen und Jungen zwischen 17 und 17 ½ zu uns kommen, bringen sie die unterschiedlichsten sozialen Probleme mit. Sie brauchen feinfühlige Zuwendung, weil viele schmerzliche Jahre hinter ihnen liegen, durch die sie in besonderer Weise sensibel und verletzbar wurden. Bekanntlich greift der Sozialdienst erst aktiv ein, wenn die familiäre Situation bereits verfahren ist. In besonders verzweifelten Fällen geht man dann gerichtlich vor. Es handelt sich hier also um einen sehr komplexen Bereich.

Mit unserer Kommunität suchten wir nach einer Lösung, die dem Wohl der Jugendlichen dient. Deshalb schlugen wir die Schaffung eines „Familienhauses“ vor. Wir hatten die Idee, eine Wohnung außerhalb der Kommunität anzumieten, in der die Volljährigen gemeinsam mit Freiwilligen in lockerer Abhängigkeit zusammenleben können. Auf diese Weise ständen ihnen Erwachsene zur Seite, die sie jederzeit um Rat fragen könnten und die sie noch für eine Zeitlang begleiten würden.

Den Verantwortlichen stellten wir unser Projekt unter dem Titel “zum Flug starten“ vor, nachdem wir einen passenden Ort für die Umsetzung gefunden hatten sowie einige Freiwillige, die sich dieser Jugendlichen annehmen würden. Es fehlte nur noch das Geld.

Wir waren erstaunt, mit welch großer Wertschätzung die Verantwortlichen unseren Vorschlag annahmen. Auch der Referent für Gesundheitswesen sowie die Sozialdienste der Region Sardinien zeigten Interesse.
Bei der offiziellen Vorstellung des Projekts nahmen Verantwortliche aus Dörfern und Gemeinden der Provinz Cagliari teil.
Der oben genannte Referent hob hervor, dass unsere Initiative eine angemessene Antwort auf dieses schwerwiegende soziale Problem sei. Er setzte sich für die Beschaffung der nötigen Gelder ein, indem er unsere Erfahrung als Modell heraus stellte mit dem Ziel, das Gesetz zu ändern. Im Oktober 2006 wurde ein neues Regionalgesetz zu dieser Thematik verabschiedet, das noch heute in Kraft ist.
Eine Telefongesellschaft, die einige Sozialprojekte für Minderjährige unterstützt, wurde von Anfang an unser Sponsor, so dass viele Jugendliche dieses Angebot nutzen konnten.
Schließlich nahm man uns in das europäische Projekt „Leonardo“ mit auf, bei dem die Gemeinde Cagliari mit Finnland, Estland und Großbritannien als Partner zusammenarbeitet. Als uns die Vertreter der drei anderen Länder besuchten, stellten wir Schwestern unsere Arbeit vor. Die Koordinatorin aus Finnland kommentierte: „Euer Einsatz ist sehr beeindruckend! Macht so weiter!“

Wir sind sehr froh, wie sich die Dinge weiterentwickeln, und überzeugt, dass dies nicht allein auf unsere Professionalität zurückzuführen ist, sondern vor allem auf unserer Entscheidung basiert, für die anderen leben zu wollen, für unsere Stadt. Grundlage unseres gesamten Handelns ist die Spiritualität der Gemeinschaft, die sich im Engagement, für Geschwisterlichkeit zu leben, konkretisiert. Und das bereits an vielen Orten.
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