NEUE GESELLSCHAFT

Wirtschaft und Arbeit


breadDas Ehepaar Amata und Joseph besitzt eine traditionsreiche Brotfabrik. Ihr Engagement gilt der Geschwisterlichkeit. Durch ihre Arbeit möchten sie einen Beitrag zum Wohl ihrer Stadt leisten. Dieses Vorhaben verlangt die Entscheidung, auf das Gewohnte zu verzichten und „gegen den Strom zu schwimmen“. Gerade in den schwierigsten Situationen zeigt es sich jedoch als erfolgreiche Strategie.

Joseph und Amata - Korea

Joseph: Unsere Brotfabrik wurde vor 49 Jahren gegründet und zählt heute 100 Mitarbeiter.
Von klein auf sah ich bei meinem tief gläubigen Vater, wie er die anderen an seinem Besitz teilhaben ließ. Als mich das Engagement für Geschwisterlichkeit begeisterte, begann ich unsere Firma nach diesen Prinzipien zu verwalten.

Amata: Dank des neuen Lebensstils erkannte ich, dass Gott mir Besitz und Talente nicht nur für mich und meine Familie geschenkt hat, sondern damit ich sie zum Wohl der Allgemeinheit nutze. Wir stehen in diesem Bemühen nicht alleine da. Da weltweit viele andere auch diese Entscheidung getroffen haben, fühlte ich mich ermutigt. Was veränderte sich dadurch bei uns? Unser Umgang mit den Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten wurde feinfühliger und aufmerksamer. Es war für uns nun eine Begegnung unter Geschwistern, und das veränderte die Arbeitsbedingungen erheblich, z.B. durch die Einführung spezieller Ruhepausen.

Joseph: Oft fragte ich mich, was es heißt, im Anderen den Bruder zu sehen. Ich bin gläubig und weiß, dass auch Jesus als Mensch einen Beruf ausübte. Wenn ich meiner Religion gemäß handeln wollte, musste ich mich in allem legal verhalten und meine Steuern bezahlen, ohne nur an den Gewinn zu denken. Denn wo das Evangelium konkret gelebt wird, muss sich das auch im Geschäftsleben sowie in der Wirtschaft zeigen.
Wenn ich meine Steuern gewissenhaft zahle, wie ich es mir vorgenommen habe, erwirtschaftet der Betrieb keine Gewinne.
Auch wenn wir dadurch zunächst in Schwierigkeiten kamen und alle uns rieten, nur einen Anteil der Gesamtsteuern zu bezahlen, blieben wir bis zum letzten unserer Entscheidung treu, weil wir daran glaubten, dass die Worte des Evangeliums auch heute noch aktuell sind. Zum Wohl unseres Ortes beizutragen bedeutet doch, selber konsequent zu sein. Das beginnt bei der persönlichen Entscheidung, die Gesetze zu respektieren.
Schon einige Zeit später sah es anders aus. Inzwischen hat sich die wirtschaftliche Situation des Betriebes verbessert. So geschieht es häufig, dass wir bei Fortbildungen der Bäckerinnung auf Grund unserer Geschäftsführung als Modell vorgestellt werden, weil man beobachtet hat, dass sich eine positivere Beziehung zu unseren Mitarbeitern entwickelt hat. Da man unsere Arbeitsmethode als vorbildlich bezeichnet, weckt sie großes Interesse.

Amata: Mit Joseph nehmen wir uns jeden Morgen vor, den Tag über nach unserem Ideal zu leben. Trotzdem bemerkten wir, dass einige der Angestellten mit ihrer eigenen Arbeit unzufrieden waren und die anderen beneideten, weil sie meinen, dass ihre Tätigkeit die schwerere sei. Uns wurde klar, dass dies nur deshalb geschah, weil sie einander nicht kannten. Um sich diesem Problem zu stellen, gibt es jetzt einen internen Rundbrief im Betrieb, in dem auch Schwierigkeiten angesprochen und die Aktivitäten der verschiedenen Bereiche vorgestellt werden. Auf diese Weise konnten viele Mauern zwischen den Kollegen fallen, weil jeder anfing, auch die Arbeit des anderen wertzuschätzen.
Für eines unserer Sommer-Angebote hatten wir eine neuartige Verpackung entwickelt, für die große Nachfrage bestand. Das Produkt wurde landesweit vertrieben und auch bei anderen Firmen im Handel angeboten. Wir besaßen dafür zwar das Alleinrecht, weil es unsere Idee war und von uns hergestellt wurde, aber auf Anfrage des Lieferanten, gaben wir unsere Zustimmung, es in ganz Südkorea herzustellen. Daraus erwuchsen uns keinerlei Nachteile - ganz im Gegenteil. Der Verkauf stieg an: es war wirklich das Hundertfache. Für diese Verpackung benutzten wir bis dahin Polystyrol, um das Produkt kühl zu halten. Aber dann merkten wir, dass dies ökologisch nicht vertretbar war, und so stellten wir die Verpackung auf Karton um, auch wenn dadurch der Kühlfaktor nicht in gleicher Weise erreicht wurde.
Im Jahr 2005 kam es in unserem Betrieb zu einem ziemlich großen Brand. Joseph und unsere Tochter waren zu dieser Zeit gerade für einige Tage unterwegs.
Als ich am Himmel die riesige Rauchwolke sah, war mir bewusst, dass ich in diesem Moment nichts tun konnte. Ich rannte sofort in die Kirche. Dort betete ich: „Du Herr bist mein einziges Gut!“ und trocknete meine Tränen.
Dann rief ich Joseph und unsere Freunde an, die mit uns dieselbe Lebensentscheidung getroffen hatten. Einige unserer Mitarbeiter schluchzten laut und bemühten sich, das Feuer zu löschen, obwohl es bereits im Produktionssektor der Fabrik aufflammte.

Als wir am nächsten Tag den Ort betraten, sah ich die verbrannten Torten und Brote auf dem Boden. Alle Maschinen, die bis zu diesem Tag gearbeitete hatten, standen still. Der Brand hatte den Betrieb stärker zerstört als wir erwartet hatten.
In jenem Augenblick verstanden Joseph und ich, dass wir auch in dieser Situation bezeugen können, dass wir Christen sind. Auch damit können wir zum Wohl unserer Stadt beigetragen, obwohl wir noch nicht wussten, „wie“ das geschehen sollte. Die Angestellten wunderten sich über unsere Gelassenheit. Am nächsten Tag begannen plötzlich alle - ohne in Verzweiflung zu geraten - den Boden und die Maschinen in der Fabrik zu reinigen. Im Imbiss, der nicht betroffen war, bereiteten die Leute Essen und Getränke für die Konditoren vor; auf diese Weise wuchs eine tiefe Gemeinschaft zwischen den Angestellten und uns beiden.

Joseph: Unsere Mitarbeiter hingen ein Transparent mit dem Satz auf: „Unsere Firma bauen wir eigenhändig aus den Trümmern wieder auf“. Sie mussten die ganze Nacht beim Brotbacken stehen. Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen schenkte uns ihr Einsatz die nötige Kraft. Es war wie ein Wunder, dass schon vier Tage nach dem Brand eine kleine Anzahl von Broten hergestellt und verkauft werden konnte. Wir hätten nicht einmal im Traum an diese Möglichkeit gedacht. Mir wurde bewusst, dass es die neuen Beziehungen unter uns waren, die dies ermöglicht hatten. Deshalb verbargen wir auch unsere Tränen nicht, weil wir so tief getroffen waren.
Anschließend mussten die schwierigen Fragen der Versicherung sowie die Brandursache geklärt werden. Die Besitzer des Nachbarhauses, von dem der Brand ausgegangen war, behaupteten, dass die Schuld bei uns lag.
Für den Prozess bereiteten wir nach bestem Wissen und Gewissen alle nötigen Dokumente vor, immer auf der Suche nach der Wahrheit und mit Rücksichtnahme auf unsere „Gegner“. Anschließend dankten uns die Sachverständigen für die gute Zusammenarbeit.
Während des Prozesses, den jedoch wir gewannen, gab es sehr heikle Momente, da unsere „Gegner“ versuchten, wie es oft bei uns geschieht, mehr Geld als nötig bei der Versicherung herauszuholen.

Amata: Nach einigen Monaten begann der Wiederaufbau. Wir bezogen alle in die Planung und Durchführung mit ein. Auf diese Weise fühlten sie sich als Teil des Ganzen.
Durch den Wiederaufbau und den gleichzeitigen Verkauf kam es in den Sommermonaten zu Problemen. Aber auch diese Hindernisse bremsten nicht den allgemeinen Elan, der jeden unserer gemeinsamen Schritte begleitetet. Obwohl wir vom Morgengrauen bis spät in die Nacht zu tun hatten, konnte man auf allen Gesichtern ein Lächeln der Hoffnung erkennen. So wurde ohne Zeitverlust der Aufbau zu Ende geführt.
Als wir am Tag vor der Einweihung miteinander feierten, fühlten wir uns ganz eins mit ihnen und alle weinten vor Rührung. Bei der offiziellen Wiedereröffnung unserer Firma bemerkte einer unserer Mitarbeiter, dass unsere Firma eine Familie geworden sei.
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