NEUE GESELLSCHAFT

Ethnien und Kulturen


Redouaneprimopiano

Begegnung mit dem Generalsekretär des Islamischen Kulturinstituts von Italien Dr. Abdellah Redouane, einem ganz besonderen römischen Bürger. Er berichtet von seiner Beziehung zur Ewigen Stadt, dem Leben der islamischen Gemeinschaft, ihrem Einsatz dafür, dass sich die Integration positiv auf die ganze Stadt auswirke. Werfen wir einen Blick auf dieses Projekt!

Interview von Paolo Balduzzi - Rom


Sucht man aus verschiedenen Blickwinkeln charakteristische Elemente im Panorama der Stadt, so fallen sofort die Kuppel vom Petersdom, Trinità dei Monti sowie die wichtigsten Paläste und die schönsten Kirchen auf. Schaut man jedoch gen Norden, entdeckt man ein Gebäude, das ganz sicher keine Kirche ist. Man wird aufmerksam und lässt sich durch das Licht faszinieren, das zu jeder Tageszeit jeweils den einen oder anderen Teil dieses Gebäudes beleuchtet und wertvoller erscheinen lässt. Es handelt sich um die größte Moschee Europas, die von Paolo Portoghese: gestaltet wurde und ein echtes Juwel an Architektur darstellt. Das zeigt sich noch deutlicher in der gesamten Anlage, auf der dieser wichtige Ort der Anbetung vor fast 44 Jahren entstanden ist. Heute – bei meinem dritten Besuch – ist das Gelände fast menschleer. Alle sind bei der Arbeit; auch Abdellah Redouane, der Generalsekretär des islamischen Kulturzentrums von Italien, zu dem auch die Moschee gehört. Das Zentrum wurde 1974 als einzige islamische Einrichtung vom Italienischen Staat durch ein Dekret des Präsidenten der Republik anerkannt. Es setzt sich auf religiösem und kulturellem Gebiet für die in Rom lebende Kommunität sowie für die im ganzen Land verstreuten Muslime ein.
Herr Redouane ist verheiratet, hat zwei Söhne und fühlt sich hier zu Hause. Seit 12 Jahren lebt er in Rom und fühlt sich als aktiver Teil der Stadt.

Wie kamen Sie nach Rom?
„Zu der italienischen Einrichtung gehören das Verwaltungszentrum mit dem Verwaltungsrat sowie die Generalversammlung. Diese beiden Organe suchten in mehreren Ländern nach einem Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs. In Marokko, meiner Heimat, wandte man sich an das Ministerium für religiöse Angelegenheiten. Dort war ich für das Kabinett des Ministers und Generaldirektors der Studien- und des Pressezentrums verantwortlich. Aufgrund dieser Aufgabenbereiche hielt man wohl meine Kandidatur für eine der interessantesten und am besten für Rom geeignet.“

Welche Aufgaben hat der Generalsekretär des Zentrums?
„Der Generalsekretär ist ausführendes Organ der strategischen Entscheidungen des Cda. Meine und die Aufgabe meiner Mitarbeiter besteht darin, diese Entschlüsse konkret umzusetzen. Darüber hinaus vertrete ich das Zentrum bei den italienischen Institutionen und in der Zivilgesellschaft.

MoschearomaWie kam es zu diesem Zentrum?
"Das Zentrum entstand aus zweierlei Gründen. Viele in Rom lebende Muslime wünschten sich einen Ort des Gebets. Auch die Institution wollte diesem „Wunsch“ entsprechen. Das ist sehr wichtig, denn eine Kultstätte kann man nicht verordnen. Es muss ein starker Wunsch danach bestehen. Schließlich gingen die Institutionen auf die Bitten ein; und auch die Bewohner der Umgebung stimmten dem Vorhaben zu. Deshalb stellte uns die Stadt Rom Grund und Boden zur Verfügung, auf dem dann 1966 die Moschee und das Zentrum erbaut wurden.“

Warum liegt das Kulturzentrum neben einem Ort des Gebets?
„Kulturzentrum und Moschee ergänzen sich. Beten bedeutet ja, Gott anzubeten. Auch die anderen Einrichtungen bemühen sich um den Geist des Gebets und um die Integration, denn jede Handlung kann ja Gebet sein. Wir gründeten eine Schule, die auch auf Nachfrage der hier Ansässigen entstand. Sie wird zu 98% von italienischen Schülern besucht, die keine Muslime sind, aber arabisch lernen wollen. Mittlerweile entwickelt sich dieses gelungene Projekt zu einer „kulturellen Brücke“. Wenn wir bedenken, dass die arabische Sprache an den Koran gebunden ist, als Sprache der Offenbarung, dann versteht man, dass Kultur und Gebet zusammen gehören.“

Welche anderen Aktivitäten werden vom Zentrum her begleitet?
„Durch unsere Aktivitäten wollen wir der Stadt Rom sowie der Welt einen Wert hinzufügen. Sie eröffnen uns Möglichkeiten zur konkreten Mitgestaltung des Stadtlebens. Wir können uns auf diese Art nicht nur in das geografische Panorama einklinken, sondern in alles, was geschieht. Deshalb öffnen wir mittwochs und samstags das Zentrum für Besucher. Viele kommen aus dem Ausland, nur um die Moschee zu besuchen. Jedes Jahr reisen auch Gruppen von Architekturstudenten aus Deutschland, den Vereinigten Staaten und auch aus anderen Ländern an. Man kann auch an kulturellen oder sportlichen Events teilnehmen, wie dem „Marathonlauf“ von Rom, der direkt hinter unserem Gelände verläuft.  Wir pflegen Kontakte und die Zusammenarbeit mit vielen Verbänden, auch wenn wir nicht allen Anfragen entsprechen können, weil unsere Kräfte dazu nicht ausreichen. Aber wir nehmen an den größten Initiativen im Bereich des interreligiösen und des kulturellen Dialogs teil, die vom Vatikan und der Stadt Rom durchgeführt werden.“

Fühlen Sie sich daher als aktiver Bürger der Stadt?
Ich kann ehrlich behaupten, dass sich das Zentrum dafür einsetzt und sich für seine Stadt verantwortlich fühlt, so dass wir uns deshalb auch nicht vor den bestehenden Problemen verschließen können. Mit der Zivilgesellschaft entwickelte sich eine außergewöhnliche Verbindung. Sie vermittelt zwischen uns und den politischen Entscheidungsträgern, so dass sich daraus mit der Zeit eine gute Beziehung mit gegenseitiger Achtung und Wertschätzung aufbaute. Deshalb konnten wir an der Lösung vieler gemeinsamer Probleme in Rom mitarbeiten. Das gehört zu unserem Alltag, bringt Freude mit sich, aber auch manche Schwierigkeiten.

Ob es sich nun um Transport, Abfallbeseitigung oder den Markt handelt, so können wir diese Probleme im Dialog und gegenseitigen Verständnis lösen. Ich denke, wenn die gegenseitige Achtung Basis für unsere Beziehungen ist, könnten sich 80% der Probleme lösen. Auch deshalb zählen wir uns zum aktiven Teil der Stadt! Unser Zentrum liegt im 2. Bezirk (Rathaus) Roms, der jetzt auch der meine geworden ist. Ich fühle mich weder als Fremder noch als etwas anderes, denn ich setze mich für das gleiche Ziel ein, für das auch Sie leben.“

© Photo Copyright Città Nuova, Payhere, all rights reserved.
Presets
Main Style
Patterns
Accent Color
Apply

Diese Website verwendet Cookies, auch von Drittanbietern, um die Nutzung zu erleichtern. Wenn Sie diesen Hinweis schließen, stimmen Sie der Verwendung der Cookies zu.