NEUE GESELLSCHAFT

Ethnien und Kulturen


Moschea

Begegnung mit dem Generalsekretär des Islamischen Kulturinstituts von Italien Dr. Abdellah Redouane, einem ganz besonderen römischen Bürger. Er berichtet von seiner Beziehung zur Ewigen Stadt, dem Leben der islamischen Gemeinschaft, ihrem Einsatz dafür, dass sich die Integration positiv auf die ganze Stadt auswirke. Werfen wir einen Blick auf dieses Projekt!

Rom ist doch das Zentrum des Katholizismus...
Ich sehe die Stadt sehr positiv. Oft sprachen wir mit der Verwaltung über die Frage nach dem Kults in Rom, denn man spricht von ihr richtigerweise als „Hauptstadt des Katholizismus“. Und wir erleben ja täglich diese Charakteristik, die andere Städte nicht aufzuweisen haben. Rom muss sich stärker dem Religiösen, seinem religiösen Aspekt stellen, um dann zu einer Hauptstadt des Dialogs zu werden. Weder Paris noch London kennzeichnet eine derartige Prägung. Bereits aufgrund ihrer Geschichte und ihrer geografischen Lage zeichnet sich die Ewige Stadt dadurch aus. Diese Aufgabe muss ihr wieder neu bewusst und als Wert gesehen werden. Allein aufgrund der Tatsache, dass es hier den Vatikan, die Synagoge und die größte Moschee Europas gibt, also alle drei Glaubensrichtungen vertreten sind, könnte man die Reichtümer einer jeden nützen und von hier ein Signal der Einheit aussenden, dass jeder Identität in seiner Schönheit und in ihrem Wert hervorhebt.“

Worin besteht also der Unterschied?
Man versteht den Unterschied, wenn man die Identität kennt, die sich nicht in eine Definition pressen lässt. Und die Analogie erkennt man in der Gegenüberstellung der anderen und mit dem, was jeweils unsere persönliche Geschichte in uns geformt hat. Ich bin nicht mehr wie ein Achtzehnjähriger, denn viele Erfahrungen haben meine Persönlichkeit geprägt. Sie besteht also aus Elementen des Glaubens und aus einem historischen Teil, der sich mit der Zeit entwickelt und die uns in der Weise zu unterschiedlichen Entwicklungen führt, die sich dann auf die eigene Identität auswirken. Es wäre eine Beleidigung der menschlichen Intelligenz zu denken, dass wir alle gleich sind oder dass wir uns nie ändern könnten. So wie ich das Leben begreife, im Hinblick auf das zuvor Gesagte, unterscheide ich mich von dir, aber du gibst mir die Möglichkeit, mich zu verändern und mich dir zu nähern oder mich von dir zu entfernen.“

Somit kann also Unterschiedlichkeit im Hinblick auf den anderen einen Wert beinhalten?
„Genau das! Auch aus touristischem Interesse besuche ich viele Kirchen in Rom. Wenn ich eine betrete, ist diese für mich eine heiliger Ort, denn ich weiß, dass es für die Christen ein Ort des Gebets ist, und deshalb bete auch ich dort, ohne den Nachbarn zu stören. Das Gebet bringt das Geschöpf seinem Schöpfer näher. Und in der Kirche spüre ich eine Gelassenheit gerade deshalb, weil ich anders bin.“

Ihre Worte schenken mir eine andere Sicht des Stereotyps eines Moslems und der Art des Dialogs in einer Stadt…
„Man trifft die Muslime nicht nur auf dem Markt, sondern man begegnet ihnen auch dort, wo niemand sie erwartet. Auch sie machen sich auf die Entdeckung der Schönheiten Roms, besuchen die Kirchen, die Orte, die viele ansehen, denn sie lieben ihre Städte so wie die anderen. Das sind außergewöhnliche Situationen, die wir gerne mit euch teilen würden.“

fedelemoscheaIst der Islam eine Religion, die sich auch für die Städte eignet?
Wenn man auf die Geschichte schaut, wird einem klar, dass die Stadt wichtig ist, die Religion bringt die Stadt hervor. Studien belegen, dass die Orte für den Kult im Allgemeinen dort errichtet werden, wo sich die Menschen versammeln, um die Probleme der Gemeinschaft zu diskutieren.  Den Islam kann man auch in der Wüste leben, aber in der Stadt blüht er und gibt dort einen wesentlichen Beitrag als Bindeglied der Kommunität. Mekka und Medina, die als Städte für uns einen hohen Stellwert darstellen, beweisen genau diesen Aspekt. Die Verse, die sich im Koran auf Mekka beziehen, lehnen das Heidentum ab, um das Wissen über Gott weiterzugeben. Die auf Medina bezogenen Verse sprechen von den Beziehungen in der Familie und unter den Menschen im gemeinsamen Leben in einer Stadt.“

Können Sie uns aus Ihrer Erfahrung sagen, ob es Ansätze von Geschwisterlichkeit auch hier in der Stadt Rom gibt?
Ich würde es bejahen. Es gibt keinen Zweifel daran, denn die Erfahrungen dieser Jahre bestätigen dies. Das Projekt Stadt soll in diesem Sinn einen Beitrag leisten, der unerlässlich ist. Ich bin Protagonist dieses Projekts, weil wir von Anfang an mit der Kommunität und der Stadt Rom in dieser Weise zusammengearbeitet haben, sei es mit unseren Nachbarn, unseren Gästen oder mit denen, die wir kennen lernen. Mir scheint, dass der Individualismus ein Problem darstellt, auf Grund dessen sich die Menschen nicht mehr sehen und verstehen. Wir sollten zu diesem Dialog zurückkehren, einander kennen lernen, um gemeinsam die Stadt in den Blick zu nehmen und unseren Beitrag zu leisten, der sich natürlich auf verschiedene Weise ausdrückt. Darin liegt ohne Zweifel eine wichtige Aufgabe vor uns…“

Aber welchen Stellenwert besitzt die Geschwisterlichkeit für Abdellah Redouane?
„Mir ist wichtig, meinem Nächsten das zu wünschen, was ich auch möchte. Unveränderliche Definitionen flößen mir Angst ein, denn sie können zu Masken werden, die etwas zu verbergen haben. Aber der Wunsch bringt auch eine konsequente Haltung mit sich, dass alles immer wieder neu ist und anders aussieht je nach meinem Gegenüber. Dann gilt es, zu verstehen, was den anderen ausmacht, was er benötigt und dementsprechend zu handeln.“

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