NEUE GESELLSCHAFT

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Benedetto Francesco

 

 

Wie wirkt der Glaube beim Aufbau einer Gesellschaft, die das Gemeinwohl fördern will? Davon spricht  die erste Enzyklika von Papst Franziskus, Lumen Fidei. Sie zeigt die enge Verknüpfung von Glauben und Leben in der Stadt.

Am 5. Juli 2013 wurde Lumen Fidei, die erste Enzyklika von Papst Franziskus veröffentlicht, die wir genauso gut die letzte von Papst Benedikt nennen könnten. Der Textentwurf stammt ja von Benedikt XVI. und wurde von seinem Nachfolger ergänzt und abgeschlossen.

Mit vier Kapiteln und sechs Paragraphen ist der Text relativ kurz; zuerst geht es um die Geschichte des christlichen Glaubens (Kapitel 1 Wir haben die Liebe gläubig angenommen), dann um die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft (Kapitel 2 Glaubt ihr nicht, so versteht ihr nicht), um die Rolle der Kirche bei der Weitergabe des Glaubens im Laufe der Geschichte (Kapitel 3 “Ich überliefere euch, was ich empfangen habe) und schließlich um das Wirken des Glaubens beim Aufbau von Gesellschaften, die nach dem Gemeinwohl streben(Kapitel 4 Gott bereitet für sie eine Stadt). 

Gerade dieser letzte Teil bietet Überlegungen an, die auch für die Arbeit der Bewegung Neue Gesellschaft dienlich sind:

“Subjektiv ist der Glaube Offenheit auf die Liebe Christi hin, die Annahme, das Eintreten in eine Beziehung, die das Ich auf die Dimensionen eines Wir erweitert”, erläuterte Kardinal Marc Oullet bei der Vorstellung des Textes. “Die Enzyklika schreibt  dem Glauben eine beachtliche Entwicklung der Zuständigkeit für das gesellschaftliche Leben, für den Aufbau der Stadt in Gerechtigkeit und Frieden zu; sie verdankt ihm ja den Respekt vor jedem Menschen und seiner Freiheit, bietet die Kraftquellen des Mitleids und der Versöhnung an, Trost im Leiden und Schlichtung im Streit.”

Es gibt also ein Band, das den Glauben mit dem Leben der Stadt und der Gesellschaft verbindet; eine Vorstellung durchzieht die gesamte Enzyklika und wird wörtlich im vierten Kapitel aufgenommen: wenn es stimmt, dass echter Glauben mit Freude erfüllt und „den Horizont des Lebens weitet“ (53), so lässt doch „das Licht des Glaubens nicht die Leiden der Welt vergessen“, sondern öffnet uns, unsere „begleitende Gegenwart“ anzubieten zu einer „Geschichte des Guten, die sich mit jeder Leidensgeschichte verbindet, um in ihr ein Tor zum Licht aufzutun“ (57). Nur das Licht, das von Gott kommt, der Mensch geworden ist, den Tod erfahren und besiegt hat, ist in der Lage, gegenüber dem Bösen und jedem Übel, das das Leben des Menschen quält, eine verlässliche Hoffnung anzubieten.

Die Enzyklika möchte also in neuer Weise bestärken, dass der Glaube für den Menschen ein Gut ist und „ein Dienst am Gemeinwohl (…) Sein Licht erleuchtet nicht nur das Innere der Kirche, noch dient er allein der Errichtung einer ewigen Stadt im Jenseits; er hilft uns, unsere Gesellschaften so aufzubauen, dass sie einer Zukunft voll Hoffnung entgegengehen“ (51).

In diesem Zusammenhang lädt Papst Franziskus alle ein, den echten Sinn der Geschwisterlichkeit neu zu entdecken:

“In der Familie aufgenommen und vertieft, wird der Glaube ein Licht, um alle sozialen Beziehungen zu erleuchten. Als Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes des Vaters weitet er sich dann zu einem Unterwegssein als Brüder und Schwestern.  In der „Moderne“ wurde versucht, eine universale Brüderlichkeit unter den Menschen auf der Grundlage ihrer Gleichheit aufzubauen. Nach und nach haben wir aber verstanden, dass diese Brüderlichkeit, die des Bezugs auf einen gemeinsamen Vater als ihr letztes Fundament entbehrt, nicht zu bestehen vermag. Es ist also nötig, zur wahren Wurzel der Brüderlichkeit zurückzukehren. (…) Der Glaube lehrt uns zu sehen, dass in jedem Menschen ein Segen für mich gegeben ist, dass das Licht des Antlitzes Gottes mich durch das Gesicht des Bruders erleuchtet. Wie viele Wohltaten hat die Sicht des christlichen Glaubens der Stadt der Menschen für ihr Gemeinschaftsleben gebracht!“ (54)

Der ganze Text der Enzyklika findet sich auf folgenden Links.

 

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